Corona nervt

Ich habe keine Lust mehr. Aber es ist nicht nur das: Corona bereitet mir auch Sorgen. Bringt immer wieder Unruhe in unseren Alltag. Schränkt meine Aktivitäten erheblich ein. Mindert meine Lebensqualität. Corona nervt mich, auch wenn ich weiß, dass es nichts bringt. Aber sämtliche Dinge, auf die ich hinfiebere, können nicht stattfinden. Zu groß das Risiko, sich selbst oder andere zu infizieren. Auch wenn dieser Winter absurd warm ist, rettet er uns derzeit unsere Wochenenden. Denn so können wir zumindest andere Familien zum Wandern, Radfahren oder auf Spielplätzen treffen.

Ein Kontaktverbot wäre fatal – besonders für unseren Sohn

Der erste Lockdown hat gezeigt: Wir brauchen Kontakte und zwar hier, vor Ort. Auch wenn unser Sohn die Monate des Lockdowns gut mitgemacht hat, er hat gelitten. Wie sehr er aufgeblüht ist als der Kindergarten wieder geöffnet wurde. Jeder Tag, an dem Kindergarten stattfand, war ein Fest. Das Fußballtraining das Highlight der Woche. Und plötzlich verabredet er sich, trifft sich regelmäßig mit seinen Freunden und vereinbart eigenständig Treffen, die wir Eltern dann natürlich noch koordinieren. Er ist einfach nur erleichtert, dass die Zeit daheim überstanden ist. Ich hoffe sehr, dass sie es ist und nicht noch einmal eine derartige Phase auf uns zukommt.

Corona zeigt, was wirklich wichtig ist

Auch wir genießen die Kontakte zu den Familien, die wir in der letzten Zeit kennengelernt haben und mit denen wir viel Zeit verbringen. Aber uns fehlen unsere langjährigen Freunde, die nicht in der Nähe wohnen. Die wir oder die uns besuchen würden. Uns fehlen unsere Familien. Wir fragen uns, wie wir Weihnachten verbringen werden, wie unser Silvester aussehen wird. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden wir uns auf unsere kleine Familie beschränken. Ich werde bei dem Gedanken unfassbar traurig. Auch unser Sohn wird sehr betrübt, wenn wir ihn darauf vorbereiten, dass er seine Großeltern, seine Cousinen, Tanten und Onkel an Weihnachten wahrscheinlich nicht sehen wird. Warum wir das überhaupt thematisieren? Weil er andauernd von Weihnachten spricht. Von dem großen Tag, an dem wir alle wiedersehen. Wie groß wäre die Enttäuschung, wenn wir ihn kurz vorher vor vollendete Tatsachen stellen. Er bekommt ohnehin mit, dass Corona uns einschränkt, unsere Urlaubspläne durchkreuzt und sorgt. Er bekommt mit, dass wir die aktuellen Entwicklungen verfolgen und darüber reden.

Wir machen das Beste draus. Versuchen, das, was wir haben, zu genießen. Mir gelingt das gerade nicht so gut, aber ich gebe mir Mühe. Und wieder einmal wird mir bewusst, dass ich mir öfter ein Beispiel an unserem Sohn nehmen könnte. Wie sehr er sich über ein Eichhörnchen über einen schönen Sonnenuntergang oder über das Meistern eines neuen Skateboard-Tricks freuen kann. Manchmal sind es doch die kleinen Dinge im Leben. Und trotzdem: Corona nervt