Wir sind eine Familie

Wir sind eine Familie. Tatsächlich. Einige Zeit sah es so aus, als blieben wir zu zweit. Wir waren überglücklich, als wir erfuhren, dass unser Sohn seinen Weg zu uns gefunden hat. Doch es dauerte nicht lange, da wurde der Wunsch geweckt, zu viert zu sein. Über die Jahre ist der – lange Zeit unerfüllte Wunsch – gewachsen. Er hat uns als Paar, als Eltern und Individuen an unsere Grenzen getrieben und uns viel über uns und das Leben gelehrt. Nun erwarten wir mit einiger Unterstützung, nach vielen Momenten der Verzweiflung und Ungeduld unser zweites Kind.

Wären wir kinderlos geblieben, dann wollten der Vater und ich die Welt bereisen. Wir wollten in andere Kulturen eintauchen, zeitweise mal in einem anderen Land leben, wollten die krassesten Trail-Läufe gemeinsam bestreiten und bei Konzerten laut mitgröhlen. Das war unser Plan, denn natürlich wissen auch wir, dass viele Paare ungewollt kinderlos bleiben. Wir wollten an unserem Wunsch nicht verzagen. Unsere Prämisse sollte es sein, unser gemeinsames Leben stets zu genießen. Leichter gesagt als getan. Denn so ein Kinderwunsch, der lässt sich nicht einfach wegschieben. Erst recht nicht, wenn es ein gemeinsamer Wunsch ist. Irgendwie potenziert er sich durch die Gemeinsamkeit auch noch, gefühlt je mehr, desto aussichtsloser die Situation wird.

Mehr Glück als Verstand

Wir sind unsagbar dankbar dafür, dass es anders gekommen ist. Dass wir uns auf einen Urlaub in Holland mitten in den Sommerferien freuen. Dass unsere Abenteuer auf dem Spielplatz stattfinden. Dass wir abends vom Tag ermattet vollkommen platt auf der Couch liegen. Dass schlaflose Nächte auf Albträume, Krankheit oder akute Schlafunlust zurückzuführen sind und der Tag trotzdem in aller Frühe beginnt. Klingt nicht so pralle? Ist es aber. Dieses Leben ist wirklich toll, wenn auch ziemlich anstrengend. Ganz besonders, wenn eine Pandemie namens Corona seit fast einem Jahr ihr Unwesen treibt.

Auf Ab-Um- und richtigen Wegen

Wir fordern das Schicksal heraus. Immer wieder schlagen wir unbekannte Wege ein und stellen uns neuen Herausforderungen. Dabei haben wir gelernt, dass wir vieles einfach nicht bestimmen können. Deswegen versuchen wir, darauf zu vertrauen, dass wir unseren Weg schon finden. Dass das Schicksal es gut mit uns meint. Natürlich gibt es diese Tage, an denen wir uns ohnmächtig fühlen. An denen wir das Schicksal nicht akzeptieren können oder wollen, an denen uns unser Alltag über den Kopf wächst und wir nach exotischen Alternativen suchen. Aber diese Tage hat wohl jeder, die gehören zum Leben dazu. Umso wichtiger ist es, dass wir uns gerade in diesen Situationen daran erinnern, wie gut wir es haben. Eigentlich haben wir keinen Grund zum Jammern, trotzdem tun wir es manchmal. Vielleicht, weil wir unseren Weg so ganz endgültig doch noch nicht gefunden haben.

Familien-Blog Tatsächlich Familie

Berg- und Talfahrt

Das werdet ihr auch auf unserem Blog merken. Wir gehen unseren Weg. Dieser Weg ist weder geradlinig noch hat er den Anspruch auf Richtigkeit. Es ist einfach unser Weg, der bestimmt nicht immer sinnvoll ist. Nicht für andere und nicht für uns. Aber wir versuchen, intuitiv zu leben und uns an unseren Bedürfnissen als kleine Familie zu orientieren. Diese Bedürfnisse versuchen wir in Einklang zu bringen, so gut wie es geht und auf dieser Basis unser gemeinsames Leben zu meistern. Denn so glauben wir, dass wir  als Familie und Individuen am glücklichsten sind und bleiben.

Wir leben nach einem Bauch-Herz-Prinzip, was nicht ausschließt, dass wir uns informieren und erkundigen. Das steht außer Frage. Wir sind offen für alle Ansätze. Dabei überlegen der Vater und ich gemeinsam, was für uns passt. Einige Male schon haben wir Wege eingeschlagen, die wir mit Hilfe von Familie und Freunden wieder verlassen haben, denn sie haben uns nicht gut getan. Immer wieder müssen wir uns eingestehen: Die Abzweigung haben wir falsch gewählt, den Weg sind wir zu schnell gegangen, hier hätten wir ruhig ein bisschen mehr Tempo machen können oder vielleicht sollten wir diesen Umweg mal rückwärtsgehen.