Die Uhr tickt

Manchmal habe ich das Gefühl, dass die Zeit rast. Ganz besonders seitdem ich Mutter bin. Die Phasen, in denen die Zeit still zu stehen scheint, in denen ich mich langweile und darauf warte, dass es endlich vorbei ist, sind so selten geworden, dass ich mich kaum an sie erinnern kann. An unzähligen Abenden liegen der Vater und ich im Bett und freuen uns über unsere kleine Familie, darüber, dass unser Sohn heute das erste Mal Traktor und Mama-Maus gesagt hat, dass er wie die Häschen in seinem Buch „Hopp-Hopp-Hopp“ durch die Wohnung hüpft, darüber, dass er schon wieder etwas Neues kann. In diesen Momenten, die eigentlich so schön sind, stellt sich immer mal wieder ein beklemmendes Gefühl ein. So schön es auch alles ist, die Zeit rast. Manchmal so schnell, dass ich sie gar nicht wahrnehmen kann.

Einerseits rast die Zeit und ich kann kaum glauben, dass unser Sohn bald schon zwei Jahre alt ist. Andererseits kann ich mir ein Leben ohne ihn überhaupt nicht mehr vorstellen. Es fühlt sich so an, als sei er immer schon ein wichtiger Bestandteil meines Lebens gewesen. Diese Zeit ist etwas Verrücktes und manchmal bereitet mir die Raserei Unbehagen.

Auf einmal Erwachsen

Es gibt auch diese Momente, in denen ich vor meinem Kleiderschrank stehe und denke: „Jetzt wird es wirklich Zeit, erwachsen zu werden.“ Den Rock hast du schon seitdem du sechzehn bist und die kunterbunten Sneaker hast du letzte Woche an einer Horde fünfzehn Jähriger gesehen. Ja, irgendwie bin ich alt. Und das erfordert Anpassungen auf ganzer Linie. Haben zumindest der Vater und ich mir gedacht als wir mal wieder merkten, unser Kleiderschrank könnte zu großen Teilen Teenagern gehören.

Wir stiefelten ambitioniert los und wurden natürlich nicht fündig. So wie es immer ist, wenn man dringend etwas sucht. Zumindest bei mir. Der Vater findet eigentlich immer was oder er gibt einfach nicht auf, bis er was gefunden hat oder er ist einfach nicht so wählerisch. Naja, mit leeren Händen wollte ich nicht heimkehren, das ist irgendwie frustrierend. Wenn ich mir schon vorgenommen habe, Geld auszugeben, dann soll es auch so sein. Und da standen wir nun inmitten von Geschäften und wussten nicht, ob und wo wir shoppen sollten. „Wie spät ist es eigentlich?“, fragte ich den Vater. „Kein Ahnung, ich habe meine Uhr vergessen“, lautete seine Antwort. Da fiel mir auf, dass ich seit Jahren keine Uhr besitze. Ist meistens auch nicht weiter schlimm, weil mein Handy – ja es ist leider so – irgendwie immer griffbereit ist. Aber abgesehen davon, dass eine Uhr ein wunderschönes Accessoire ist, ist es im Arbeitsleben auch ziemlich praktisch. In Meetings kann ich ja schlecht immer mein Handy zücken, ein Blick auf die Armbanduhr ist aber immer drin.

Auf der Suche nach der Zeit

Also ab zu Christ, um die rasende Zeit auch würdigend messen zu können. Ich war sofort verliebt und anstatt mich erst einmal mit einer Uhr zufrieden zu geben, schlug ich bei zweien zu. Denn ich konnte mich einfach nicht entscheiden. Beide Uhren sind von Cluse. Die eine mit schwarzem Ziffernblatt, goldener Umrandung, goldenen Zahlen und schwarzem Lederarmband und die andere in Roségold mit Metallarmband und weißem Ziffernblatt. Für den Vater gab es eine Uhr von Skagen, vom Stil her ähnlich wie meine schwarze Uhr, aber natürlich eine ganze Nummer größer, für das männliche Handgelenk versteht sich.

Die Zeit rast zwar nicht weniger schnell, aber es macht ein wenig mehr Freude, ihr beim Rasen zuzusehen.

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