Duftnote

Eigentlich haben der Vater und ich uns darauf geeinigt, dass die Bescherung bei uns ausfällt. An Weihnachten halten wir uns daran, an meinem Geburtstag aber hat der Vater unsere Abmachung gebrochen und mich doch ziemlich reichlich beschenkt. Hätte ich doof finden können, aber die Geschenke waren einfach zu schön und ich habe mich so sehr gefreut, dass ich dem Vater auch etwas schenken wollte. Ein bisschen Freude schadet ja nie.

Duftwelt

Neben Konzertkarten, bei denen eigentlich eh schon klar war, dass wir sie uns besorgen, sollte er einen neuen Duft bekommen. Denn von seinem jetzigen Parfum war nur noch eine kleine Duft-Pfütze übrig. Also stiefelte ich mit unserem Sohn los: Bei der Parfümerie würden wir schon fündig werden. Ewigkeiten hatte ich diesen Laden nicht mehr betreten. Mir wird diese Duftwelt ganz schnell zu viel. Innerhalb von wenigen Minuten bin ich reizüberflutet, nach drei Düften riecht alles gleich – und vor allem alles irgendwie gar nicht gut. 

Aber ich wusste ja, was ich wollte: Einen frischen, modernen Duft, der sich sowohl für den Büroalltag als auch für die Freizeit und die Abendgestaltung eignet. Nichts schweres oder aufdringliches. Da sollte mir eine Verkäuferin doch weiterhelfen können. Der Meinung war ich. Aber ich hatte vergessen, wie viele Menschen gut riechen wollen und wie lange man auf so eine Beratung warten darf. Unser Sohn wollte die Wartezeit nutzen, um die Regale zu inspizieren. Ja genau, die Regale mit den kleinen teuren Glasflaschen. Das geht natürlich nicht. Auch wenn sie noch so schön glitzern und alle Leute darauf rumdrücken. Natürlich verstand er nicht, weswegen alle die Flaschen in die Hand nehmen und damit rumsprühen durften, nur er nicht. 

Veduftet

Tja, nach etwa zehn Minuten und ein paar ausprobierten „neuen“ Düften, verließ ich die Parfümerie unverrichteter Dinge. Diesen Laden werde ich mit unserem Sohn so schnell nicht mehr betreten. Das war klar. Der Geburtstag des Vaters stand aber kurz bevor und die Gelegenheit, ohne unseren Sohnemann loszustiefeln war in weiter Ferne nicht sichtbar. Es gab zwei Möglichkeiten: Entweder eine ganz andere Geschenkidee – aber welche? – oder aber, online bestellen. Irgendeine Art von Online-Filter wird es doch wohl geben. Die gab es auch, und heraus kam – wer hätte das gedacht – das Parfum, das ich dem Vater vor Jahren schon einmal geschenkt hatte: Boss Bottled. Wir mochten ihn beide den Duft, da war ich mir sicher. Irgendwann hatte die Verwandschaft ihm einen anderen Duft geschenkt, wahrscheinlich hatte er überhaupt wieder andere Düfte ausprobiert. 

Wir mögen ihn auch immer noch – der Vater hat sich über das eher unoriginelle, ein bisschen langweilige, aber gut brauchbare Geschenk ziemlich gefreut. Für die Originalität und Individualität haben dann die Konzertkarten und der selbst gebackene Kuchen gesorgt. Und für mich steht fest: Ich bleibe bei dem Duft und der Parfümerie fern. 

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