#einlichtfürkim

Irgendwie kann ich es immer noch nicht so wirklich fassen, dass gerade Weihnachten war. Dass wir einen wunderbaren Silvesterabend mit Freunden hatten und dass nun schon der dritte Tag des neuen Jahres begonnen hat. Lange habe ich den Weihnachtsurlaub herbei gesehnt – selten habe ich mich so sehr urlaubsreif gefühlt. Es musste einfach dringend eine Auszeit vom Alltag her. Doch wie das mit Auszeiten so ist, sind sie meist schon rum bevor man beginnt, sie bewusst genießen zu können. Trotzdem hätte unsere Alltagspause zum Jahresende in Hamburg nicht schöner sein können. Der Jahresausklang an Silvester nicht besser. Nur der Start ins neue Jahr verlief nicht so ganz optimal. Während wir uns noch freuten, dass wir in der Silvesternacht Köln ohne große Behinderungen durchquert hatten und gut daheim angekommen waren. Streifte der Vater zielstrebig unsere Tiefgarageneinfahrt und sorgte für einen ordentlichen Adrenalinstoß. Herzlich willkommen 2018. Du scheinst ziemlich schöne Überraschungen für uns bereit zu halten. 

Herzlich willkommen Neues Jahr!

Naja. Wir müssen ehrlich sagen, dass unser Auto ein Gebrauchsgegenstand ist, das schon mit Spuren gekauft wurde, damit unsere nicht so ins Gewicht fallen. Außer einem defekten Frontscheinwerfer, der uns das Treffen mit der Patenfamilie unseres Sohnes an Neujahr absagen ließ, und ein paar schönen Kratzern hat unser Fahrgeschäft keinen Schaden davon getragen. Also alles nur halb so wild. Unsere Aufregung über die Begegnung mit der Tiefgaragenwand rückte auch ziemlich schnell in den Hintergrund als der Vater am nächsten Morgen erfuhr, dass Kim, die Freundin seines Freundes Chris, in der Nacht verstorben war.

Trüber Neujahrsbeginn

Ihr Tod kam nicht völlig unerwartet, da sie Anfang 2017 die Diagnose Brustkrebs erhielt. Der Krebs hatte bereits gestreut und wenige Tage nach der Diagnose begann die Chemo. Viele werden Kim bestimmt kennen, da sie ihr Leben und so auch ihren Umgang mit der Krankheit als „kimspiriert“ mit ihrer Community auf Instagram geteilt hat. Um zu zeigen, dass die Gesundheit das höchste und wichtigste Gut ist, das wir Menschen haben. Um die Wichtigkeit der Krebsvorsorge immer wieder zu betonen. Und um ihre Follower an ihrem Krankheits- und Genesungsverlauf teilhaben zu lassen. 

Oft habe ich mich gefragt, wie ein Mensch so etwas aushalten kann. Wie jemand so zuversichtlich bleiben kann, obwohl immer neue Einbrüche auftreten. Immer neue Metastasen – zuletzt im Hirn – entdeckt werden. Kim’s Art mit ihrer Krankheit umzugehen, war bewundernswert stark. Unfassbar schön war es zu sehen, wie ihr Partner, ihre Familie und ihre Freunde sie unterstützt haben. Wie sie ihr geholfen haben, am Leben fest zu halten und das Leben trotz der Krankheit zu genießen. 

Ein Lichtblick im Sommer

Als wir im Sommer in Hamburg waren, haben wir Kim und Chris getroffen. Da hatte Kim gerade die letzte Chemo hinter sich. Ich war total verblüfft, wie fit sie wirkte. Wir haben darüber gesprochen, wie es weiter gehen soll – beruflich und privat. Damals hatten wir, der Vater und ich, den Eindruck: Das wird. Sie wird wieder arbeiten können, sie wird mit großem Glück ihren Kinderwunsch realisieren können. Sie wird die Krankheit besiegen. 

Doch leider hat sie den Kampf verloren. Auch wenn wir sie nicht gut kannten, hat uns die Nachricht sehr getroffen. Der Vater hat sich noch an Weihnachten mit Chris getroffen. Nach dem Treffen meinte er nur: „Er wirkte so richtig durch den Wind. Irgendwas stimmt da nicht.“ Der Anruf am Neujahrsmorgen erklärte dann, was nicht stimmte. Wahrscheinlich wusste Chris schon an Weihnachten, dass es um seine Partnerin gar nicht mehr gut steht. Dass auch der letzte Funke Hoffnung erlischt ist. Er wusste, dass er sein Leben bald nicht mehr mit ihr teilen können wird und von ihr Abschied nehmen muss. 

Gekämpft wie eine Löwin 

Unser Beileid gilt Chris, der seine Lebenspartnerin verloren hat, der Familie, die Tochter und Schwester verloren haben, und den Freunden, die sie als Freundin missen müssen. Ich kann es kaum in Worte fassen, aber die Vorstellung, einen meiner beiden Männer nicht mehr tagtäglich um mich zu haben, ist einfach furchtbar. Mein Leben ohne sie leben zu müssen, zerreißt mich innerlich. Obgleich weiß ich: Diese Schicksalsschläge gehören zum Leben dazu. Kein einziger Mensch ist davor gefeit. Immer wieder wird es Situationen geben, die uns vollkommen aus der Bahn werfen. Uns den Boden unter den Füßen wegreißen und uns ein Stück unserer eigenen Lebensfreude und Lebenslust nehmen. In solchen Situationen brauchen wir starke Menschen um uns herum und ich hoffe sehr, dass Kim’s Angehörige ein Netz haben, das sie auffängt.

Wichtige Aufklärungsarbeit

Kim’s Geschichte ist sehr bewegend und hat leider kein gutes Ende für sie genommen. Ich glaube aber, dass sie einen wichtigen Beitrag dazu geleistet hat, zu zeigen, dass wir Frauen das Thema Brustkrebs nicht wegdenken dürfen. Dass wir bei der kleinsten Auffälligkeit einen Arzt aufsuchen und uns nicht mit der ersten Meinung zufrieden geben sollten. Denn in ihrem Falle hat die erste behandelnde Ärztin den bösartigen Knoten in der Brust fälschlicherweise als Zyste identifiziert.

Kim hat gezeigt, dass soziale Netzwerke, insbesondere Instagram, nicht nur Mode, Food und Fitness bedeuten und den Schlankheitswahn befeuern. Sie hat Aufklärungsarbeit geleistet, indem sie die Menschen ganz tief in ihr Privatleben mitgenommen hat. Immer wieder wurde klar, wie schnell und wie heftig solch eine Krankheit das Leben bestimmen und in ihrem Fall leider beenden kann. 

Ich möchte meinen tiefsten Respekt vor ihr ausdrücken und bin mir sicher, dass sie mit ihrer Geschichte gerade bei vielen jungen Frauen viel bewegt hat. Ihr Leben ist früh geendet, das ist sehr traurig. Aber ich hatte den Eindruck, dass sie ein erfülltes und glückliches Leben hatte bis der Krebs ihr das Leben nahm.

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