Elternfreizeit

Schon im November letzten Jahres überraschte der Vater mich eines Abends mit Konzertkarten. „Mighty Oaks“ stand auf den Karten. Damit war klar: Am 29. April werden der Vater und ich gemeinsam in der Live Music Hall stehen – ohne Kind. Einfach nur wir beide als Paar, ein bisschen so wie in guten alten Zeiten. Die Patentante und der Patentantenmann blockierten mehr als frühzeitig das Wochenende, um unseren Sohnemann zu bespaßen, während wir Eltern Erwachsenenfreizeit genießen sollten. Und so wuchs die Vorfreude von Tag zu Tag. Noch mehr als im März dann auch noch das neue Album „Dreamers“ herauskam.

Musik verliebt

Wir waren so aufgeregt wie damals bei unserem ersten Konzert. Das fand in Hamburg statt, besser gesagt in der Fabrik in Altona. Um uns auf Chuck Ragan einzustimmen, aßen wir Schnibbelpizza und tranken Wegbier auf dem Bürgersteig sitzend. Die Sonne schien und wir hatten das Gefühl, die Sache mit uns beiden, die hat Potenzial. Das Konzert war grandios, wir tanzten, feierten und tranken – jede Menge. Damals machte uns das nichts, auch wenn das Konzert an einem Donnerstag stattfand und wir am nächsten Tag im Büro unseren Mann stehen sollten. Volltrunken von diversen Biereinheiten und berauscht von unserer Verliebtheit fielen wir ins Bett und taumelten wenige Stunden später an unseren Arbeitsplatz. Dieses Konzert werden wir nie vergessen. Chuck Ragan begleitet unsere Beziehung, genauso wie John Butler, Stu Larson und Bon Iver. Und jetzt sollten sich die Mighty Oaks dazu gesellen.

Freiheit berauscht

Nach einem wunderbaren sonnigen Nachmittag mit der Patenfamilie radelten der Vater und ich in Richtung Ehrenfeld. Eigentlich hatten wir geplant, unseren Sohn noch in den Schlaf zu wiegen und dann zum Konzert aufzubrechen. Aber unser Kleiner war so angetan von seinen Paten, dass wir kurzerhand beschlossen, dass wir das Einschlafritual an diesem Abend in die Hände der Paten geben wollten. So hatten wir noch ein bisschen mehr Zeit: Zeit für uns, Zeit als Paar, Zeit ohne Kind. Allein die Radtour war ein Highlight: Durch strahlenden Sonnenschein radelten wir nebeneinander her. Ohne schweres hampelndes Kind auf dem Gepäckträger, ohne vollgepackte Taschen mit Windeln, Wechselklamotten und diversen Snacks. Einfach nur wir beide und meine Handtasche.

Erinnerungen fesseln

Und dann waren wir da. Umringt von anderen jungen, oder auch nicht mehr ganz so jungen Menschen, warteten wir darauf, dass das Konzert endlich los geht. Als wir da so standen, kamen die Erinnerungen hoch an damals, an unser erstes gemeinsames Konzert, an den Beginn unserer Liebe, unserer Partnerschaft, unserer Zweisamkeit. Unsere Handys blieben stumm, das war ein gutes Zeichen. Denn keine Meldung bedeutete einen reibungslosen Babysitter-Abend. Und dann legten sie endlich los. Schon bei den ersten Tönen war ich vollkommen gefesselt. Ein paar Stunden feierten der Vater und ich unsere kurze Auszeit, ein kleines Stück Freiheit und ein großes Stück Erinnerung. Wir haben diesen Moment als Paar genossen, nicht als Familie, sondern als Liebespaar, als Ehepaar, als Mann und Frau. Und wie könnte man so einen Moment der Zweisamkeit mehr genießen als bei den folgenden Zeilen:

„Give me that love
Give me that soul
Give me your far and I’ll give you my all
All of my life
I’ll never let go
And I’ll be with you always“

Freunde bereichern

Nach rund zwei Stunden war auch die letzte Zugabe gespielt und die Halle leerte sich. Für uns Zeit, unsere stark übermüdeten babyrhythmus gewöhnten Körper Richtung Bett zu radeln. Als wir zu Hause ankamen, war alles ruhig. Unser Sohn schlief friedlich und die Patenfamilie lag völlig entspannt auf dem Sofa. Unseren Sohn hatten sie in den Schlaf geschmust. Aber nicht bevor sie den Papa, nach dem unser Sohn gefragt hatte, überall gesucht hatten. Er war aber nicht da, nicht im Schlafzimmer, nicht auf dem Balkon und nicht einmal im Kühlschrank. Das hatten sie gemeinsam mit unserem Sohn kontrolliert, bevor er dann gemeinsam mit den beiden in den Schlaf gefunden hat.

Wir können wirklich nicht sagen, was das Schönste an dem Abend war. Die Tatsache, dass wir noch einmal für uns als Paar waren. Dass das Babysitten so unfassbar gut geklappt hat. Oder dass wir wissen, dass wir die goldrichtige Patenfamilie für unseren Sohn gefunden haben. Es ist auch vollkommen gleichgültig, was uns so glücklich gestimmt hat, ein steht fest: So zufrieden und ausgeglichen sind wir schon lange nicht mehr ins Bett gefallen. Und deswegen wollen wir Danke sagen. Danke, dass es euch gibt, liebe Patenfamilie. Danke, dass ihr uns diesen Abend ermöglicht habt. Und Danke, dass ihr unseren Sohn so wunderbar durch sein Leben begleitet.

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