Große Stadt, kleines Kind

Unser Sohn ist ein richtiges Großstadtkind. Zumindest was seinen Geburtsort Hamburg und die ersten sechs Monate seines Lebens angehen. Danach ist er ein Wanderer. Er bleibt nicht länger als drei Jahre an einem Ort wohnen, bis es ihn weiter treibt. Zugegeben, nicht ihn zieht es immer weiter, sondern uns Eltern. Aber er findet die Wanderschaft derzeit noch spannend. Dass ihn alle drei Jahre die Wanderlust packt, entspricht auch nicht ganz der Wahrheit, zählt er gerade mal vier Jahre, aber in den vier Lebensjahren sind wir schon zwei Mal umgezogen: Von Hamburg über eine Vorstadt von Köln nach Heidelberg.

In Heidelberg gefällt es uns und wir können uns vorstellen, unsere Wanderlaune, zumindest was das Umziehen angeht, ruhen zu lassen. Dazu sei gesagt, dass wir noch nicht einmal ein Jahr hier wohnen. Ich glaube, als wir erst ein Jahr in der Nähe von Köln gewohnt haben, hätten wir uns auch vorstellen können, dort sesshaft zu werden. Deswegen schauen wir mal, was die kommenden Jahre so bringen.

Städtetrip mit Kind – das wird trubelig

Worum es aber eigentlich geht: Wir unternehmen ziemlich regelmäßig Städtetrips mit unserem Kleinen. Am liebsten in seine Geburtsstadt. Denn von Hamburg kommen wir irgendwie nicht richtig los. Das bedeutet nicht, dass wir wieder in den Norden zurückkehren wollen, aber auch nicht, dass wir es nicht wollen. Wir denken jedenfalls viel und gerne an unsere Zeit in Hamburg. Es war eine schöne Zeit mit tollen Menschen. Wir Eltern haben uns in Hamburg kennengelernt, haben dort geheiratet und unseren Sohn geboren.

Oh, ich hab solche Sehnsucht…

Hamburg begeistert auch unseren Sohn. Ganz besonders die dicken Schiffe. Wir zeigen ihm die Plätze der Stadt, die für uns als Paar so besonders waren. Wir schlendern mit ihm durch den Planten un Bloomen, durch den wir fast täglich mit dem Kinderwagen gerollt sind. Damals hat er die Ausflüge meist verschlafen, jetzt können wir ihn kaum von dem Park trennen. Zu toll sind die Spielplätze, die Schildkröten faszinieren ihn und er könnte stundenlang die Fontäne bestaunen. Wir verbringen gerne ein paar Tage in Hamburg, uns entspannt das. Wir kennen die Stadt aber auch.  Wissen, wo wir mit ihm gut hingehen können, wo es nicht allzu trubelig ist. Ein Muss ist natürlich auch immer der Hafen. Die Landungsbrücken meiden wir. Da sind einfach zu viele Leute und das ein oder andere Mal war der Abstand zum Wasser ziemlich gering. Wir peilen dann eher den Elbstrand an. Der ist weitläufig, das Wasser am Ufer flach. Und außerdem haben wir in der Strandperle geheiratet. Unser Vorteil: Wir kennen die Stadt und wissen, wo es nicht allzu trubelig ist

Kurztrip in die Hauptstadt – aber wirklich nur kurz

Hamburg ist aber nichts im Vergleich zu Berlin. Zweimal waren wir bislang mit unserem Sohn in der Hauptstadt. Wir alle drei mögen Berlin, sind aber froh, wenn wir der Stadt nach drei Tagen den Rücken kehren. Wir sind die Eindrücke einfach nicht gewohnt. Hamburg und Köln sind so beschaulich und ruhig im Gegensatz zu Berlin. Berlin ist laut, stressig, schnell und zugleich total entspannt, denn nirgendwo kann man besser untertauchen. Mich wühlt das irgendwie auf. Wenn wir mit unserem Sohn die Stadt besuchen, kommen wir bei Verwandten unter, da kommt er gut zur Ruhe. Manch einer fragt sich, warum wir mit unserem Sohn überhaupt in so eine große Stadt fahren? Weil die Stadt uns begeistert. Uns alle drei. Was genau, können wir nicht sagen, aber der Kleine fragt oft, wann wir nochmal nach Berlin fahren können. „Bald“, sagen wir dann. Am liebsten würde ich aber mit dem Vater mal für ein paar Tage alleine dorthin fahren, um das Nachtleben zu genießen. Um die Stadt nicht nur mit den Augen einer Mutter zu sehen, sondern um ganz bewusst in der Menschenmasse unterzugehen, um die Stadt zu leben.

In Leipzig sind die Wege breiter

Unser Sohn ist einverstanden, er würde dann am liebsten seine Tante besuchen. Die wohnt in Leipzig und arbeitet in einem Krankenhaus, in dem es einen riesigen Lurch gibt, auf dem man hervorragend toben kann. Außerdem hat sie einen wunderbaren Schrebergarten. In dem Garten kann man laut Musik hören und sich nackt tanzend mit Wasser besprenkeln lassen. Damit aber nicht genug: Sie wohnt auch noch in einer ziemlich aufregenden WG mit den verrücktesten Lampen, die er je gesehen hat. Ganz besonders hat es ihm ein Exemplar aus einem Rudepaddel angetan.

Ja, Leipzig ist toll. Aber nicht nur wegen der Tante, die da wohnt, sondern auch so. Die breiten Gehwege entspannen das Schlendern durch die Stadt maßgeblich. Unser Sohn läuft gerne mal weiter in eine Richtung, während sein Kopf sich in eine andere Richtung dreht. Ein Bauarbeiter, eine Eisdiele, ein Eichhörnchen – es gibt einfach immer viel zu entdecken, klar. Problem ist nur, wenn die Beine und der Kopf unterschiedliche Richtungen verfolgen, dann kommt man schon einmal vom Weg ab. Breite Gehwege verzeihen das. Toll sind auch die Parkanlagen, in denen man rennen, spielen, tollen kann. Im Sommer wird dann an jeder Ecke musiziert oder Musik gehört. Es gibt wunderschöne Badeseen. Wir mögen Leipzig, sehr sogar und kommen immer gerne wieder.

Endlich wieder in die Mainmetropole

Eine Begeisterung, die ich nur bedingt teilen kann, gilt Frankfurt. Unser Sohn war genau zweimal in Frankfurt: Einmal haben wir am Ostend gewohnt und haben dort den neu gestalteten Außenbereich unsicher gemacht und Freunde besucht. Beim anderen Mal waren wir gemeinsam mit einer Freundin und ihrer Tochter bei einer Ferienfreizeit. Für Kinder unterschiedlichen Alters waren auf der Mainwiese Spiele aufgebaut. Es gab Trampoline, Kistenrutschen, man konnte aus Rohren Wassertunnel bauen und am Ende gab es noch ein Eis. Zwei tolle Erlebnisse verbindet unser Sohn mit Frankfurt, eigentlich kein Wunder, dass er immer wieder gerne in die Stadt fahren will. Die Tage habe ich auch in bedingungslos guter Erinnerung. Aber ich habe noch weitere, an die Bahnhofsgegend, den Drogenkonsum, an Gewalt in der Bahn und in der Stadt. Ich mag Frankfurt gerne, aber irgendwie auch nicht. Auch wenn ich grundsätzlich ein Fan von Städtetrips mit Kind bin, bei Frankfurt bin ich vorsichtig. Wenn man weiß, welche Gegenden man meiden sollte, ist es sicherlich eine tolle Stadt für einen Familientrip.