Großer ganz klein

„Nee, will ich nicht.“ „Mama, so geht das.“ „Erzähl doch keinen Quatsch.“ Unser Sohn weiß so langsam ganz genau, wo es seiner Meinung nach lang gehen soll. Immer öfter werden wir darüber unterrichtet, wie Sandburgen zu bauen sind, wie die Nase am besten geputzt oder wie der Ball richtig geworfen wird. Der kleine Mann zeigt uns, wie die Dinge funktionieren. Er möchte uns die Welt erklären. 

„Ich zeige dir, wie das geht!“

Es findet auf gewisse Weise seine Wege und hinterfragt unsere. Dabei nimmt er uns Eltern mit auf seiner Erkundungstour. Wenn es dann nicht so läuft, wie er es für richtig hält, dann kann er auch schon einmal lauter werden. Gerne probieren wir seine Wege aus, aber manche von ihnen funktionieren einfach nicht. Zumindest nicht für uns Eltern. Dann muss er verstehen, dass wir den Löffel lieber richtig rum halten wollen, er kann ihn ja gerne falsch rum halten und dann sehr lange an seiner Suppe löffeln. 

Gewohnheits-Tier

Doch so sehr er sich immer mehr zu einem kleinen Jungen entwickelt, so sehr hält er an Gewohnheiten fest. Spätestens im Herbst, wenn er drei Jahre alt wird, wird er in eine „große“ Kindergartengruppe kommen. Schon vor zwei Monaten sollte die langsame Umgewöhnung an die neue Gruppe starten. Immer wieder sollte er für ein paar Minuten und später Stunden in die Gruppe hereinschnuppern. Aber er möchte nicht.

Es ist ihm zu voll und zu laut. Lieber sitzt er mit den anderen Kleinen – wobei er mit fast einem Jahr Abstand mittlerweile der Älteste ist – in seiner gewohnten Gruppe. Dabei ist er unzufrieden und nicht ausgelastet. Wenn ich ihn mittags abhole, hat er einen unfassbaren Bewegungsdrang. Er wirkt unausgeglichen. Letztens wollte er über 1,5 Stunden nach dem Mittagsschlaf nicht aufstehen, sondern einfach nur liegen bleiben. Er will nicht raus aus der behüteten, gewohnten Gruppe, aber er ist nicht mehr glücklich dort und langweilt sich. 

Groß-Klein-Dilemma

Schon mehrere Male haben wir mit den Erzieherinnen überlegt, wie wir vorgehen wollen. Eigentlich wollten wir ihn das Tempo bestimmen lassen, gingen wir davon aus, dass er gemeinsam mit dem anderen „großen“ Jungen, der mittlerweile längst in der großen Gruppe ist, mitziehen würde. Da lagen wir verdammt falsch. Da seine Unlust und Unzufriedenheit merklich wächst, haben wir beschlossen, ihn ein wenig zu seinem Glück zu drängen. 

Behutsam Drängen

Wir werden ihn sehr behutsam ins kalte Wasser der „großen Gruppe“ schubsen. Mein Instinkt sagt mir, dass er diesen kleinen Anschubser braucht. Er ist ein sehr vorsichtiges und sensibles Kind, was man bei seinen heftigen Wutanfällen manchmal gar nicht glauben mag. Er hält sehr gerne an Gewohnheiten und gelernten Ritualen fest. Neuland betritt er mit viel Skepsis und Vorsicht. Im Gegensatz zu seinen Freunden, die ohne nachzudenken auf die höchsten Klettergerüste klettern und von den höchsten Bäumen springen, wartet er ab. Schaut sich alles in Ruhe an und überlegt, wie er es am gescheitesten anstellt. 

Der Wurf ins kalte Wasser wird ein Versuch sein. Wann er genau passieren wird, das überlassen wir den Erzieherinnen. Seit 1,5 Jahren kennen sie unseren Kleinen und wir vertrauen darauf, dass sie einschätzen können, wann die Stimmung und Zeit passend ist. 

Für uns Eltern ist das aufregend. Wir wollen, dass es unserem Sohn gut geht. Dass er sich wohl fühlt. Und wir glauben einfach, dass er in der „großen“ Gruppe besser aufgehoben ist. Wenn der Versuch schief geht, dann rudern wir zurück, das ist klar. Aber hier gilt, wie so oft im Leben: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. 

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