Hei(del)mat

Die letzte Nacht in der alten Wohnung: Schlaflos, unruhig und heiß. Sobald einer von uns Eltern drohte einzuschlafen, fiel dem einen noch ein, dass wir vielleicht doch noch den Hauswirtschaftsraum streichen sollten. Überlegte der anderen, ob man doch noch die Böden wischen und nicht nur kehren sollte. Malten wir uns gemeinsam aus, wie katastrophal die Übergabe verlaufen würde. Die Gedanken hätten wir uns sparen können: Die Übergabe verlief in Ordnung. Wir Dramaqueens hätten uns eine Menge Unruhe und schlechte Gedanken sparen können. Unangenehm war das Aufeinandertreffen mit unserem – juhuu endlich – alten Vermieter dennoch. Aber nicht nur wir, sondern auch er, waren an einer zügigen und konstruktiven Beendigung unseres Verhältnisses interessiert. Schnell haben wir uns geeinigt. Nun hoffen wir, dass die getroffenen Vereinbarungen auch eingehalten werden.

Ab in den Süden – unseren Sachen hinterher

Nach überstandener Übergabe machten wir uns auf den Weg unserem Hab und Gut hinterher nach Heidelberg. Die Nacht verbrachten wir im Hotel. Eigentlich wollten wir nach dem Einchecken unsere Brotzeit irgendwo draußen einnehmen. Aber wir haben es nur noch aus dem Hotelbett geschafft, um unter die Dusche zu hopsen. Abendbrot gab es dann ausnahmsweise im Bett, sogar mit Fernsehberieselung. Welch eine Freude! Die Nacht war ruhig, dank Klimaanlage fast schon zu kühl und kurz. Um 7 Uhr in der Früh marschierten wir los in Richtung unserer neuen Bleibe. Die Übergabe sollte um 8 Uhr stattfinden und unsere Möbel spätestens um 9 Uhr eintreffen. Bei strahlendem Sonnenschein spazierten wir durch unsere neue – hoffentlich – Heimat. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich am meisten mit dem Schritt gehadert habe. Auch wenn ich im Rheinland nicht angekommen bin oder nicht ankommen konnte, hat es mir dort doch ziemlich gut gefallen. Unserem Wohnort und unserer Wohnung werde ich nicht hinterhertrauern. Aber Köln, die Freunde, die wir dort gefunden haben und vor allem die Nähe zu meiner Familie, meiner besten Freundin und Patentante unseres Sohnes und vielen anderen „alten“ Freunden – das alles wird mir sehr fehlen.

Werden wir jemals ankommen?

Heidelberg fühlt sich gut und richtig an. Wir haben eine wunderschöne Wohnung gefunden. Der Vater freut sich auf seinen Job, der Sohn auf den neuen Kindergarten und ich mich darüber, dass ich weiterhin meinen „alten“ Job ausüben kann. Die Stadt ist grün, wir brauchen kein Auto mehr, haben tolle Laufstrecken gefunden – es passt alles. Und trotzdem habe ich ein mulmiges Gefühl. Werden wir hier ankommen? Wir haben gedacht, dass wir im Rheinland lange Zeit bleiben werden. Wir haben uns sogar Häuser zum Kauf angesehen. Aber wir haben gemerkt, dass wir zunehmend unzufriedener wurden. Ich finde es gut, dass wir uns das eingestanden und den Schritt gewagt haben. Aber manchmal fühlt es sich so an, als würden wir davon laufen. Ich hoffe einfach, dass wir nicht nach drei Jahren auch wieder Heidelberg den Rücken kehren. Ich wünsche mir, dass wir hier ankommen. Dass wir uns hier wohl fühlen, Wurzeln schlagen und unseren Platz finden werden.

Umziehen ist ganz schön anstrengend

Umziehen ist aufregend, schön, aber auch sehr anstrengend. Natürlich hat uns die Spedition den gesamten Umzug sehr erleichtert. Wir haben keine einzige Kiste geschleppt, obwohl wir gerne angepackt hätten. Aber das wollten die Jungs nicht. Aus versicherungstechnischen Gründen. Also durften wir nur eins: Kisten auspacken. Und das hat gedauert. Während der Vater vergeblich versuchte, unseren neuen Kleiderschrank – der seinen Weg wieder zurück zum Hersteller finden wird – zusammen zu schrauben, räumten der Sohn und ich die Küche ein. Man kann es nicht anders sagen: Der Kleine hat den Umzug perfekt mitgemacht. Ihm ist der Abschied gut bekommen, er hat sich riesig auf und über Heidelberg gefreut, was sich auf mich übertragen hat. Maulig wurde er nur, wenn er nicht mithelfen durfte und sich aufgabenlos fühlte. Sogar ruhig geschlafen hat er in der ersten Nacht in seinem neuen Zimmer. Denn, da sind der Vater und ich uns einig: Das Umzugschaos wollen wir so schnell wie möglich beseitigen. Wir haben es nicht ganz geschafft, am ersten Tag alle Kisten auszupacken und zu verstauen. Aber Küche, Kinderzimmer und Wohnzimmer waren „fertig“ eingerichtet. Fehlten nur noch das Ess- und Schlafzimmer. Aber auch die beiden Zimmer sind bis auf den fehlenden Kleiderschrank nun eingerichtet. Klar, Lampen und so ein Kram, das kommt noch. Aber so lässt sich hier schon ziemlich gut leben.

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