Heimatmusik

Dieses Wochenende war es endlich so weit: Es stand mal wieder ein Familienwochenende in der Heimat an! Aber dieses Mal war es etwas ganz Besonderes. Nicht irgendein kleines Familienzusammentreffen, nein, meine Mutter hatte zu einem Konzert eingeladen. Freunde, Geschwister, Bekannte und Verwandte wurden zu ihrem großen Abend geladen. Ich freute mich wahnsinnig auf diesen Abend. Ganz besonders, da ich meine Geschwister, die alle kreuz und quer in Deutschland verteilt wohnen, an Weihnachten nicht sehen werde. Denn dieses Jahr zelebrieren wir das Fest der Feste mit der Familie des Vaters im hohen Norden.

Husten, Schnupfen, Heiserkeit

Doch dann schlug der Elternhammer zu! Die Patentante war schon ewig zum Babysitten gebucht, unsere Outfits lagen bereit und die Zutaten für unsere Buffet-Mitbringsel warteten nur im Kühlschrank darauf, endlich verarbeitet zu werden. Kurz: Wir waren bestens vorbereitet und glaubten, dass einem Elternabend mit wunderschöner Klaviermusik, tollen Menschen und gutem Essen nichts mehr im Wege stände. Da hatten wir aber die Rechnung ohne unseren Sohn gemacht. Denn am Freitag hatte es unseren kleinen Superhelden das erste Mal so richtig erwischt. Einen ziemlich fiesen trockenen Husten und eine ordentliche Rotznase hatte er sich eingefangen. Der Husten tat ihm weh und dann auch noch die Rotznase. Er konnte nicht schlafen, war aber schrecklich müde, ermattet und ganz besonders Nähe-bedürftig. Schweren Herzens sagten wir ab. Dem Babysitten, der Essenszubereitung, dem Konzertbesuch.

Natürlich hatten alle Verständnis für unsere Entscheidung, schließlich ging es unserem Kleinen einfach mies, aber traurig waren wir alle. Ich vorne weg, da ich mich so sehr auf diesen Abend und das Wiedersehen gefreut hatte. Und auch meine Mutter war merklich traurig darüber, dass wir ihrem Konzert nicht lauschen und den Abend nicht mit ihr und ihren Gästen verbringen können. Aber wir wussten alle: Ein krankes Kind gehört nach Hause zu seinen Eltern, braucht Ruhe, Wärme und Vertrautheit.

Es kommt alles anders als man denkt

Nach einer ziemlich bescheidenen Nacht weckte uns am Samstag in aller Frühe jedoch ein strahlendes kleines Baby. Woher er diese Energie und gute Laune nahm? Wir hatten keinen blassen Schimmer. Aber wir freuten uns natürlich, dass unser Sohnemann wieder besser drauf war. Klar die Nase lief noch, aber Husten und Abgeschlagenheit waren kaum mehr vorhanden. Nun standen wir vor der Frage: Sollten wir nun doch zu dem Konzert fahren? Babysitten kam nicht in Frage, dafür war der Kleine einfach noch zu anhänglich. Deswegen wagten wir den Versuch und fuhren mit Wippe und Bondolino im Gepäck zum Konzert.

Zum Glück haben wir uns so entschieden. Unser Sohn wollte zwar keinen Millimeter von unserer Seite weichen, aber er lauschte mindestens genauso überwältigt den Klavierklängen, die meine Mutter aus dem Flügel zauberte. Zunächst genoss er die Musik in seiner Wippe, doch der Applaus ließ in immer wieder hochschrecken. Deswegen schnallte ich mir die Bondolio um und leistete meiner Schwester Gesellschaft, die mit Kugelbauch und kleiner Tochter auf dem Arm hinter dem sitzendem Publikum umhertanzte. Und so tanzten wir beide mit unseren Babys während meine Mutter wunderschöne Klaviermusik zum Besten gab.

Ob diese Entscheidung die Richtige war, das wissen wir nicht. Wir können nur sagen, dass es für uns die richtige Entscheidung war. Wir hatten einen tollen Abend, anders als geplant nicht zu zweit, sondern zu dritt und unser Sohnemann hat sich nach diesem schönen Abend so richtig ausgeschlafen und seine erste kleine Krankheit ist so gut wie verflogen. Und so hatten wir dennoch unser Heimatwochenende, zwar vollkommen anders als geplant, aber dieses „es kommt alles anders als man denkt“ ist auch eine ziemlich häufige Begleiterscheinung des Elterndaseins.

Liebe BesucherInnen! Wir möchten Euch informieren, dass diese Seite Cookies verwendet, um Euch einen besseren Komfort beim Betrachten und Benutzen der Seite bieten zu können.