Honig-Kuchen-Pferd

„Kommt doch am Wochenende vorbei, ich würde mich sehr freuen. Samstag und Sonntag kommen viele Kinder zum Reitkurs, das wäre für euren Sohn bestimmt auch super schön“, mit diesen Worten warf meine Mutter unsere Wochenendplanung über Bord. Wir hatten uns fest vorgenommen, ein Familienwochenende einzulegen. Mit Ausflügen in die Eifel, zu Burgen und Schlössern, mit viel Kuchen und Eis. Nun saßen wir da mit der Einladung und wussten, für unseren Sohn könnte es nichts Schöneres geben. Also vertagten wir unseren Eifelplan und düsten am Samstag ab in das Dorf, in dem ich groß geworden bin.

Das Leben ist (k)ein Ponyhof

Unser Sohn weckte uns in aller Frühe. 06:00 Uhr am Samstag ist schon ziemlich hart. Aber wir sollten es ihm danken: Die Sonne schien, es war windstill und bei rund zehn Grad hatten wir perfekte Laufbedingungen. So liefen wir in den Tag hinein und konnten mal wieder nicht genug bekommen. Auch unser zweiter Halbmarathon-Versuch lief sich gut – endlich habe ich nach dem Laufen auch wieder einen hochroten Kopf, das habe ich wirklich sehr vermisst.

Nach unserem Lauf zogen dicke Wolkentürme auf, unsere Fahrt in mein Heimatdorf wurde begleitet vom rhythmischen Regentrommeln. Schöner Mist. Aber nun waren wir unterwegs  und den einzigen, denen das Nass vom Himmel etwas ausmacht, sind wir Erwachsenen. Unserem Sohn ist das schnurz-piep-egal. Mit seinem Ducksday ist ohnehin immer gutes Wetter. Und als wir dann ankamen, da war der Himmel zwar immer noch wolkenverhangen, aber es war trocken. Die Großeltern freuten sich sehr über unser Kommen, aber am meisten freute sich unser Sohn: Über seine Großeltern, über spielende Kinder, über Pferde, über einen Hund und über seine Eltern, die gemeinsam mit ihm den Tag verbringen wollten.

Die Kinder tobten pferdespielend über die Wiese – unser Sohn kam aus dem Staunen überhaupt nicht mehr raus. Und dann stand die Mittagspause an. Mein Vater hatte Spaghetti Bolognese in horrenden Mengen gekocht und die Kinderschar tuckelte so langsam in unser Haus, um sich für den Nachmittag zu stärken. Währenddessen saßen wir mit meinem Vater abseits, um in Ruhe unser Mittagessen zu vertilgen. Frisch gestärkt zog unser Sohn dann los, natürlich zu den anderen Kindern. Und ehe wir uns versahen, saß er da, umringt von Drei- bis Zehn-Jährigen, die allesamt begeistert mit ihm Murmeln über eine Bahn rollen ließen. Unser Sohnemann war im Paradies.

Winken für die Freude

Doch das sollte noch nicht alles gewesen sein: Denn natürlich wollte ich den Versuch wagen, gemeinsam mit ihm das Glück der Erde auf dem Rücken der Pferde zu genießen. Ich hatte keinerlei Bedenken: Ich bin mit Islandponys – Pferde sind tatsächlich übertrieben, zumindest was die Größenverhältnisse angeht – groß geworden. Meine Mutter kennt ihre Tiere in- und auswendig. Und so freute ich mich einfach nur riesig, mit unserem Sohn das erste Mal zusammen eine Reitrunde zu drehen. Ich hatte mit vielem gerechnet, aber nicht mit solch einer wunderbaren Reaktion. Er jauchzte ohne Unterlass, übte sich in royalem Winken und strahlte bis über beide Ohren. Die Zuschauer waren sich einig: Unser Sohn ist der perfekte Karnevalsprinz – so gut winken kann kaum jemand. Er war so begeistert, dass ihm die Reiteinlage mit mir nicht reichte, auch mit der Oma wollte er die ein oder andere Runde drehen. Und so ritten zwei Honigkuchenpferde auf einem Isi durch die Gegend.

Es war der perfekte Tag für unseren Sohn. Ein Tag ohne Wutanfall. Ohne auch nur das leiseste Anzeichen eines Anfalls. Ein Tag, der uns Eltern unfassbar viel Kraft schenkte. Und uns wieder einmal zeigte, wie glücklich wir uns schätzen können, Eltern zu sein. Es war nicht nur ein Tag voller neuer, schöner Erfahrungen, sondern auch ein Tag der Worte: Opa huschte zuerst zaghaft und dann immer wieder über die Lippen unseres Sohnes. Ganz zielgerichtet an meinen Vater gewendet. Doch irgendwie gefällt ihm dieses Wort so gut, dass nun auch sein Ball, seine Bürste, sein Dreirad und sein Bett allesamt Opa heißen.

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