Kost und Körper

? Frau Klein, Sie arbeiten als persönlicher Gesundheitscoach und bieten in Ihrer Firma Kost & Körper Kurse speziell für Kinder-Fitness an. Was genau ist Ziel dieses Angebots?

! Ziel des Angebots ist es, Kindern Spaß an der Bewegung zu vermitteln und den Bewegungsapparat zu kräftigen. Leider steht vielen Familien heutzutage nicht viel Fläche pro Familienmitglied zur Verfügung. Es mangelt also auch an Fläche zum Spielen, Hopsen, Springen, Schaukeln und vielem mehr. Wer sich aber im Wachstum nicht ausreichend bewegt, lebt mit dem Risiko, Schäden am Bewegungsapparat zu erleiden. Mein Angebot zielt deswegen darauf ab, Kinder, die sich natürlich noch im Wachstum befinden, zur Bewegung zu motivieren und zu begeistern. Dabei ist mein Angebot so ausgelegt, dass der gesamte Bewegungsapparat der Kinder bewegt, mobilisiert und gekräftigt wird.

? Warum ist es schon für Kinder wichtig, ganzheitlich fit zu sein? Reicht es nicht aus, wenn Kinder beispielsweise Tennis, Handball, Hockey oder Golf spielen?

! Ein positiver Effekt von Bewegung ist, dass die Kinder so Stress abbauen können. Zudem formt Bewegung Körper und Geist. Durch Bewegung entstehen positive Hormone, der Blutzuckerspiegel wird kontrolliert und es wird Testosteron ausgeschüttet. Testosteron regt die Muskelbildung an und sorgt für feste Knochen und kräftige Haare. Ein weiterer Aspekt ist, dass Kinder häufig mit ihrer Ernährung viele Kohlenhydrate aufnehmen. Sport hilft, diese überschüssige Energie wieder abzubauen oder sogar kleinen Fettpölsterchen zu Leibe zu rücken.

Durch die oben genannten Sportarten werden die beiden Körperhälften ungleich belastet, bewegt und gekräftigt. Die Folge ist, dass die Kinder schief werden. Wer während seiner Wachstumsphase einseitig belastet wird, schädigt unter Umständen seinen Körper irreparabel. Haltungsschäden, die im Erwachsenenalter beispielsweise durch zu viel vornübergebeugtes Arbeiten wie bei Friseuren oder Chirurgen entstehen, können beispielsweise durch gezieltes Rückentraining fast ausschließlich wieder ausgeglichen werden. Bei Kindern, die – wie oben beschrieben – „falsch trainiert“ sind, ist das nicht mehr korrigierbar. Das ist schon eine erschreckende Tatsache.

? Viele Sportarten bergen also die Gefahr, dass ein Kind „schief“ trainiert ist. Dementsprechend würde es sich ja für jedes Kind anbieten, einen Fitnesskurs zu besuchen, um im körperlichen Gleichgewicht zu sein, oder?

! Ob Fitnesskurse nun das Richtige für Kinder sind, wage ich zu bezweifeln. Kinder sollen Freude an der Bewegung haben und da sind diese nun mal recht simpel: Bewegung muss in erster Linie Spaß machen. Kinder müssen Erfolge erzielen und eine gewisse Sinnhaftigkeit erkennen können, die hinter der Bewegung steht. Ein Fitnesskurs ist eher etwas für Erwachsene. Kinder können vielmehr Freude an der Bewegung erleben, wenn sie balancieren, klettern, Frisbie werfen, schwimmen oder springen. Ein gewisser Spaßfaktor ohne spürbaren Leistungsanspruch ist das, was kindgerecht ist. So bewegen sich Kinder freiwillig und haben Lust, Sport regelmäßig auszuüben und in ihren Alltag zu integrieren.

? Wie können Eltern ihre „bewegungsmuffeligen“ Kinder, die eher musisch interessiert sind, die lieber malen oder lesen, zur Bewegung motivieren? Muss es immer gleich Sport sein oder ist auch schon ein Spaziergang im Park oder eine kleine Radtour ausreichend?

! Sie haben die Antwort schon selber ins Gespräch gebracht. Gerade sportmuffelige Kinder brauchen einen sanften Einstieg. Ein Spaziergang mit dem Puppenwagen – ganz ohne Zeitdruck – das Sammeln von Blättern oder Kastanien im Herbst und das anschließende Basteln damit oder Rollschuh fahren auf dem Schulhof am Wochenende, das sind kostengünstige Möglichkeiten dem eigenen, geliebten Kind Gutes zu tun und Freude an der Bewegung bei jedem Wetter zu vermitteln.

Wir sollten uns öfter einmal an unsere eigene Kindheit erinnern, an Spaziergänge im strömenden Regen. Erinnern daran, wie es war, in Pfützen zu springen, sich den Regen auf die Zunge rieseln zu lassen, Schneemänner und -frauen zu bauen, sich in Blätterhaufen fallen zu lassen und im Wald kleine Äste unter den Füßen knacken zu hören. Ich könnte diese Liste unendlich fortführen. Wenn wir Erwachsenen diese Erlebnisse noch einmal mit unseren Kindern durchleben, möchte ich fast für glückliche Kinderherzen garantieren!

? Körperliche Fitness ist eine wichtige Komponente für ein gesundes Leben. Was aber mindestens genauso wichtig ist, ist eine gesunde Ernährung. Wie können Eltern ihren Kindern schon früh ein Bewusstsein für gesunde Ernährung vermitteln?

! Gesunde Ernährung ist in unserer industrialisierten Welt voller Fertigprodukte, die perfekt beworben werden, eine echte Herausforderung geworden. Um eine gesunde Ernährung zu vermitteln, sollten Eltern ihre Kinder von Anfang an mit kochen, backen und einkaufen lassen. Wie wäre es, wenn das Kind einmal das Kartoffelnetz aussuchen und in den Wagen legen darf. Die zusammen gekauften Kartoffeln schälen und kochen sie dann später gemeinsam.

Wenn Kinder hier und da kleine „Fehler“ machen und etwas fallen lassen, kleckern oder irgendwie nicht perfekt sind, dann sollten Eltern nicht schimpfen. Diese Tätigkeiten sind für Kinder schon richtig große Aufgaben, die einerseits einen Bezug zu Nahrungsmitteln, Kochen und Ernährung herstellen und andererseits auch die Persönlichkeit formen. Hier werden erste Grundsteine für einen bewussten Umgang mit dem eigenen Körper gelegt. Wenn Eltern sich vorstellen, dass ihr Kind ihnen später mal ihr Lieblingsgericht kocht oder ein Frühstück ans Bett bringt und dabei stolz ist und lächelt, dann lohnt sich die Mühe und Geduld doch in jedem Fall.

? Es ist ja schön und gut, wenn Eltern auf eine gesunde Ernährung achten. Aber häufig machen Einrichtungen wie Kitas, Kindergärten und Schulen Eltern mit schlechtem Kantinen-Essen einen Strich durch die Rechnung. Was für Möglichkeiten gibt es, den Kindern trotzdem eine gesunde und bewusste Ernährungshaltung mit auf den Weg zu geben?

! Das ist wirklich eine traurige Sache. Da geben sich Eltern – wie oben beschrieben – jahrelang Mühe und dann kommen Kantinenmahlzeiten in Kindergärten und Schulen und zerstören, was man sich jahrelang zu Hause erarbeitet hat. Hier gilt es, Widerstand zu leisten und gesunde Ernährung zu fordern. Für Ernährung an Schulen ist das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft verantwortlich. Bei einer nicht adäquaten Ernährung an einer Bildungseinrichtung, sollten sich Eltern aber immer auch direkt dorthin wenden. Eltern sollten nicht müde werden, für die Gesundheit und Zukunft ihres Kindes zu kämpfen. Außerdem können Eltern ihrem Kind gesundes Essen in Form von klein geschnibbeltem Obst und Gemüse, vorbereiteten Broten und vielem mehr mit in den Kindergarten oder in die Schule geben. Eltern sollten immer bedenken, dass es um ihr Kind geht und sich jeder Aufwand lohnt.

? Es gibt aber auch sicherlich viele Eltern, die selber überhaupt kein Bewusstsein für gesunde Ernährung haben und so auch überhaupt nicht darauf achten, was sie, geschweige denn ihre Kinder, essen. Erachten Sie es für notwendig, dass für solche „unwissenden“ Eltern spezielle Informations- und Aufklärungsangebote erstellt werden?

! Jein. An Möglichkeiten, sich zu informieren, mangelt es heutzutage ja nicht. Fast jeder hat zu Hause einen Internetanschluss und kann sich jegliches Wissen dort kostenlos besorgen. Wenn aber bei den Eltern schon so Einiges versäumt wurde, so ist es umso schwieriger deren Kinder zu erreichen. Daher ist es noch wichtiger, dass Kinder in der Schule eine gesunde und ausgewogene Ernährung geboten bekommen. Sensationell wäre es, wenn das Thema Ernährung in der Schule zum Schulfach werden und so an alle gleich vermittelt werden würde. Bitte ohne Frau Aigner und Mc Donalds oder ähnliche Aktionen. Das wäre kontraproduktiv.

? Wenn Sie sich wünschen könnten, wie sich das Ernährungsverhalten der Menschen vor allem in Bezug auf Kinder entwickelt, was wäre Ihr größter Wunsch?

! Mein größter Wunsch ist, dass Eltern ihr Handy aus der Hand und ihr Kind an die Hand nehmen und gemeinsam in Harmonie die Speisen für die Familien zubereiten. Ob eine selbstgemachte Pizza oder eine gequetschte Banane mit Naturjoghurt und Honig, ich bin mir sicher: So schmeckt es allen. Und wie wir wissen, geht LIEBE ja bekanntlich durch den Magen!

Wir danken Ihnen für das tolle Gespräch!

Ursula Klein Kost und Körper KölnSeit 2006 arbeitet Ursula Klein als persönlicher Gesundheitscoach in Köln und Umgebung und bietet Menschen mit den unterschiedlichsten sportlichen und ernährungsphysiologischen Bedürfnissen die Möglichkeit, zu Hause, im Büro, in der freien Natur oder im Kost & Körper Personal Training Studio in der Kölner Südstadt zu trainieren. In einem Erstgespräch ermittelt sie gemeinsam mit ihren Kunden die Zielvorstellungen und den aktuellen Fitness- bzw. Gesundheitsstand. Auf dieser Basis erstellt Ursula Klein einen auf den Kunden persönlich zugeschnittenen Trainingsplan, der auf das individuelle Zeitinvestment und auf die jeweiligen Bedürfnisse abgestimmt ist.

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