Karriere oder Hausfrau?

Als ich schwanger wurde befand ich mich in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis, war also auf der sicheren Seite und hätte nach der Elternzeit wieder in meinen Job zurückkehren und meine Karriere fortsetzen können. Nun haben wir uns aber für den Umzug von Hamburg ins Rheinland entschieden und mit dem Umzug habe ich im Prinzip beschlossen, dass ich nicht mehr in meinen alten Job zurückkehren werde. Das war ehrlich gesagt keine schwere Entscheidung, da ich ohnehin das Gefühl hatte, dass es Zeit für etwas Neues wird.

Betreuungsplatz gesucht

Wenn ich also wieder arbeiten möchte, dann muss ich auf Jobsuche gehen und mich bewerben: Doch das ist gar nicht so einfach, wie man denkt. Erst einmal benötigt man einen Betreuungsplatz für das Baby, denn ohne den kann man sich ja schlecht bewerben. Die Sache mit dem Betreuungsplatz ist schon eine nicht allzu kleine Hürde, die man erst einmal nehmen muss. Viele junge Mütter wollen wieder arbeiten und ihr Baby vor dem zweiten Lebensjahr in eine Betreuung geben. Die Nachfrage ist groß, das Angebot an U2-Plätzen aber nicht. Tja, erstes Problem. Durch einen großen Zufall hätten wir für unseren Wurmi einen Betreuungsplatz, die erste Schwierigkeit hätten wir also schon mal gemeistert.

Als junge Mutter wieder arbeiten?

Nun stellen sich eine ganze Reihe von Fragen: Was für ein Job und vor allem mit welchem Arbeitsumfang kommt in Frage? Wie viele Stunden soll das Baby wöchentlich betreut werden? Wie weit darf der Arbeitsweg sein? Wie hoch muss das Gehalt sein, damit sich die Kosten für die Betreuung und den Arbeitsaufwand rechnen? Mir haben diese Fragen großes Kopfzerbrechen bereitet und bereiten sie auch immer noch. Ich bin mir einfach total unsicher, was gut für mich ist, aber vor allem, was gut für unseren kleinen Sohn ist. Immer wieder überkommt mich die Lust, wieder arbeiten zu gehen und an meiner Karriere zu feilen. Ich bin wirklich gerne zur Arbeit gegangen und kann mir nicht vorstellen, dauerhaft – oder zumindest die nächsten Jahre – nicht mehr berufstätig zu sein.

Ich bin aber noch viel lieber Mutter, das Wichtigste für mich ist, dass es unserem Wurmi gut geht. An manchen Tagen habe ich das Gefühl, dass er mich bedingungslos braucht. An solchen Tagen plagen mich die schlimmsten Gewissensbisse, wenn ich nur daran denke, dass ich überlege, ihn schon mit einem Jahr in eine Betreuung zu geben. An anderen Tagen ist er sehr selbstständig, zeigt großes Interesse an anderen Menschen und signalisiert keineswegs, dass er unbedingt seine Mama in seiner Nähe braucht. An solchen Tagen denke ich, dass es vielleicht sehr gut für ihn wäre, wenn er in einer Betreuung wäre und dort intensiven Kontakt zu anderen Kindern hätte. Welch ein Dilemma. Eine Lösung gibt es nicht. Zumindest keine einfache.

Klassische Rollenverteilung oder doch Karriere?

Momentan kann ich mich nicht mit dem Gedanken anfreunden, ganz klassisch die Rolle der Hausfrau und Mutter einzunehmen. Der Mann verdient das Geld, macht Karriere. Er verlässt morgens das Haus und kommt abends wieder, wenn das warme Mahl schon auf dem Tisch steht. Die Wohnung ist natürlich blitzeblank geputzt und seine Hemden gebügelt. Nee, das passt irgendwie nicht zu mir. Ich möchte arbeiten, ich möchte auch finanziell etwas zu unserem Familiendasein beitragen – aber vor allem will ich die beste Mutter sein, die ich für unseren Sohn sein kann. Ich weiß nicht, was richtig und was falsch ist, weder für mich noch für unseren Sohn noch für unsere Familie. Deswegen lautet unsere Herangehensweise: Wenn ich einen Job finde, der thematisch absolut passt, der unbefristet, der in unserer Wohnnähe und in Teilzeit ist, dann bewerbe ich mich. Wenn es einen solchen Job nicht gibt, dann bleibe ich daheim, betreue unseren Sohn und fordere mich, indem ich diesen Blog schreibe.

Wer stellt schon eine junge Mutter ein?

Denn ganz ehrlich, auch wenn ich den scheinbar perfekten Job finde, ich sämtliche Forderungen erfülle – wer stellt schon eine junge Mutter ein? Junge Mütter sind doch andauernd krank, weil das Kind aus der Kita Krankheiten mit nach Hause schleppt. Und dann ist doch schon vorprogrammiert, dass die junge Mutter noch nachlegt. Da werden dann lieber Bewerber eingestellt, die vielleicht nicht zu 100 Prozent passen, die aber jung und ungebunden sind, im besten Fall natürlich auch noch weniger Gehalt fordern. Vielleicht sollte ich optimistischer an die ganze Sache gehen, aber in meiner beruflichen Vergangenheit habe ich solch eine Einstellung immer wieder von Vorgesetzten miterlebt.

Prägen fürs Leben

Und am Ende bleibt immer noch der größte Zweifel: Soll ich nicht für unseren Sohn da sein? Weiß man doch, dass die ersten beiden Jahre im Leben eines Menschen immens prägend sind. Hier legen wir die Basis für das junge Leben, auch wenn sich niemand an diese ersten beiden Jahre erinnert, sie sind doch fest in uns verankert. Kann ich als Mutter, können wir als Eltern, unseren Sohn in dieser wichtigen Zeit anderen Personen überlassen, die diese Grundsteine legen? Sollten wir nicht diejenigen sein, die diese Rolle übernehmen? Letztendlich stellt sich die Frage: Will ich im nächsten Jahr Mutter, Hausfrau und Ehefrau sein oder will ich auch meine Karriere weiter verfolgen? Ich weiß es nicht. Zumindest im Moment noch nicht.

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