Neue Heimat

Vor rund einem halben Jahr haben wir der nordischen Metropole den Rücken zugekehrt und uns in unserem kleinstädtischen Domizil im Rheinland niedergelassen. Die Sehnsucht nach Schanze, Elbe und Alster kommt und geht – was immer da ist, ist die Sehnsucht nach den Menschen, die wir zurück gelassen haben. Vor allem bei sommerlichen Temperaturen meldet sich die Wehmut. Wie schön, dass sich diese Woche gleich zweifacher Hamburg-Besuch angemeldet hat.

Hamburg zu Besuch

Dienstag Abend trudelte die erste Hamburger Freundin ein. Unser kleiner Sohnemann war eigentlich trotz seines siebten Zahns, der sich gerade durch sein Zahnfleisch bohrt, super drauf. Ich war voller Vorfreude: Der Vater holte die Freundin nach seinem Feierabend auf dem Heimweg am Bahnhof ab und ich sorgte dafür, dass unsere kleine Bleibe besuchertauglich war.

Die Zeichen für einen ersten entspannten Abend standen gut, doch dann kam alles anders. Denn auf einmal schlug die Stimmung unsere Sohnes um. Obwohl er in letzter Zeit schnell und ruhig eingeschlafen war, wälzte er sich von einer Seite auf die andere, wand seinen kleinen Körper vor Blähungen, sein Speichelfluss war so stark, dass jedes Kleidungsstück binnen Sekunden triefend nass war und er fand einfach keine Ruhe.

Wir waren als Eltern gefragt. Wir wollten unserem Kleinen helfen, damit es ihm schnell wieder gut ging, wir wollten für ihn da sein. Also wechselten der Vater und ich uns ab und leisteten unserem Sohn Gesellschaft während der andere Part mit unserem Besuch im Wohnzimmer saß. Und zum Glück hatten wir überhaupt nicht das Gefühl, dass unser Besuch die Situation nervig, belastend oder irgendwie blöd fand. Ganz im Gegenteil, unsere Freundin signalisierte uns, dass es absolut selbstverständlich für sie sei, dass es für uns nun das Wichtigste war, dass es unserem Sohn gut geht.

Und so konnten wir uns in Ruhe um ihn kümmern. Doch Ruhe fand unser kleine Sohnemann erst als wir zu Bett gingen und er zwischen uns einschlafen durfte. Doch auch dort wachte er immer wieder auf, wimmerte, suchte unsere Nähe und schlief wieder ein, nur um einige Sekunden später stark zuckend wieder aufzuwachen. Uns wurde klar: Besuch mit Baby ist ein vollkommen anderer Schnack.

Zu Besuch in Köln

Umso erleichterter waren wir als wir am nächsten Morgen von einem kleinen Strahlemann geweckt wurden – die Strapazen der Nacht waren überstanden, einzig sein immenser Speichelfluss war geblieben. Einem Ausflug nach Köln stand also nichts im Wege. Zumindest für uns Mädels, denn der Vater musste die Bürobank drücken. Bei strahlendem Sonnenschein stiefelten wir los und fuhren mit der Bahn in die Rheinmetropole.

An irgendeiner Haltestelle stiegen wir aus und ließen uns von Hunger und Kaffeedurst treiben. Und wir landeten ziemlich gut – im Carmelädchen in der Südstadt ließen wir es uns bei Milchkaffee, Pancakes und Rührei gut gehen. Dem Kleinen gefiel das Carmelädchen mindestens genauso gut wie uns: Aus seinem Kinderstuhl heraus flirtete er mit der Kellnerin, futterte sein Mittagessen und folgte gespannt dem Café-Trubel. Ein gelungener Auftakt also.

Unsere nächste Station sollte der Rhein sein, denn die nordische Freundin war noch nie in den Rhein-Genuss gekommen und schließlich musste sie überprüfen, ob der Rhein mit der Elbe mithalten kann. Kann er – fanden wir.

Wir schlenderten die Rheinpromenade entlang bis wir irgendwann Richtung Innenstadt abbogen, um uns zum Belgischen Viertel durchzuschlängeln. Mich zog es dorthin, weil ich einfach unzählige Erinnerungen aus meiner Studienzeit mit diesem Viertel, mit wunderbaren Menschen und tollen Köln-Besuchen verbinde. Und auch jetzt hat mich dieses Viertel wieder in seinen Bann gezogen – die Cafés, die kleinen Läden, die Stimmung, die Menschen – einfach alles. Dazu war unser Sohn super drauf. Durch die Kölner Innenstadt hatte ich ihn in der Bondolino getragen während die Freundin den Mistral P schob. Kaum hatten wir uns ein schattiges Plätzchen in einem Café gesucht, wachte er auf und spielte vollkommen zufrieden auf dem Boden während wir uns mit einem Frappé erfrischten.

Zurück in die Heimat

Und dann war der Tag auch fast schon um – Zeit, die Heimreise anzutreten. Mit einem kurzen Stopp am Aachener Weiher schlenderten wir durch den Park zurück zur U-Bahn-Station, nichtsahnend, dass wir genau an der Haltestelle wieder einsteigen würden, an der wir ausgestiegen waren. Ziemlich gute Intuition und Orientierung würde ich mal sagen – Zufall kommt nicht in Frage.

In einer viel zu vollen, viel zu heißen, viel zu stickigen und viel zu langsam tuckernden Bahn fuhren wir in Richtung Heimat, um gemeinsam mit dem Vater bei einer ordentlichen Pizza den Tag ausklingen zu lassen. Das war riskant, denn die übliche Schlafenszeit unseres Sohnes war schon gekommen, doch unser letzter Aachen-Besuch hatte uns ermutigt, Wagnisse einzugehen. Und auch dieses Mal wurden wir belohnt: Unser Sohn ließ sich seinen Abendbrei schmecken und verlangte anschließend nach diversen Stücken Baguette bis auch wir Erwachsenen unsere Mahlzeit beendet hatten und wir unseren Verdauungsspaziergang mit Endziel unserer Wohnung antraten.

So sehr unserem Sohn die vergangene Nacht zugesetzt hatte, so gut gelaunt und unkompliziert war er den gesamten Tag über. Einziger anstrengender Punkt waren seine stets durchnässten Bodies und Shirts. Unaufhörlich floss sein Speichel auf seine Kleidung – wenn ich ihn trug, auch auf meine Kleidung – und ich war bemüht, ein Kleidungsstück in der Sonne zu trocknen während er das andere wieder vollkommen durchnässte. Vergeblich, aber zum Glück war es ein warmer Sommertag und ich hatte keine Sorge, dass er sich mit den nassen Klamotten eine Erkältung einfangen würde.

Auch wenn Besuche von Freunden, Stadtbummel und Restaurantbesuche mit Baby absolut anders sind, war es ein wunderschöner Tag, vor allem weil unser Sohn als wir zu Hause ankamen in bester Laune durch unsere Wohnung sauste bis er völlig erschöpft in seinem eigenen Bettchen einschlummerte. Der nächste Hamburg-Besuch kann kommen und der bereits abgereiste darf gerne jederzeit wieder kommen.

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