Froh und munter sein

Weihnachten steht vor der Türe. Hätte man mich vor zwei Monaten gefragt, worauf ich mich am meisten freue, dann wäre das besinnliche Fest meine Antwort gewesen. Wir wollten es uns richtig schön machen. Ich hatte mir ein paar Tage – trotz Probezeit – freigenommen, denn wir wollten unserer Ex-(Wahl-)Heimat einen Besuch abstatten. Den ersten Besuch nach unserem Umzug. Das Fest der Feste wollten wir in der Heimat des Vaters mit seiner kleinen Familie feiern. Flensburg ist ohnehin schon ziemlich schnuckelig und dann noch zur Weihnachtszeit, das wäre bestimmt richtig schön. Auf dem Rückweg wollten wir dann der großen und vielleicht auch schönsten Stadt Deutschlands einen Besuch abstatten. Endlich wieder Hamburg-Luft schnuppern. Freunde treffen, um die Alster rennen, dicken Dampfern auf der Elbe nachschauen und unzählige Kaffees schlürfen.

Staying Home for Christmas

So war es geplant. Tja, Pläne zerschlagen sich. Urlaub gibt es für mich dieses Jahr nicht. Nicht weil mein Arbeitgeber es mir nicht gönnt, sondern weil das Arbeitspensum es einfach nicht zulässt. Ohne Urlaub wäre der Trip in den Norden für uns der pure Stress. Weihnachten wäre nicht besinnlich, sondern wir würden Heiligabend den Tag im Auto verbringen, um zwei Tage später schon wieder die Heimreise antreten zu müssen. Innerhalb von 72 Stunden rund 12 Stunden Autofahrt. Das wäre alles andere als entspannend. Und Hamburg würden wir nur bei der Durchfahrt sehen. Wir stellten uns die Frage: Wem würden wir mit diesem Vorhaben einen Gefallen tun? Uns ganz sicherlich nicht und erst recht nicht unserem kleinen Sohnemann, der lange Autofahrten wirklich ganz abscheulich findet.

Großfamilie satt – statt Kurztrip in die Hafenstadt

Also planten wir um. Heiligabend feiern wir ganz in Ruhe zu dritt, um uns dann am ersten und zweiten Weihnachtstag ins Getümmel meiner Großfamilie zu stürzen. Absolutes Kontrastprogramm, das aber auch immer wunderschön ist. So können wir abends heim kehren und unser Sohn kann in seiner gewohnten Umgebung abschalten. Auch wenn ich meine Familie toll finde und mich auf jeden Einzelnen freue, so bin ich doch ein wenig wehmütig, dass ich den Norden nicht zu Gesicht bekomme. Naja, nun planen wir, Ende Januar hochzutuckeln – wehe da kommt schon wieder etwas dazwischen.

Gut, so langsam stellte sich die Freude auf Weihnachten dann doch ein. Und irgendwie ist es auch schön, wenn man arbeitet und der Mann den Haushalt schmeißt. Total ungewohnt, aber super entspannend. Doch auch diese Vorfreude wurde mal wieder maßgeblich gedämpft.

Wunderbares Leben

Dieser Dämpfer betrifft aber nicht nur mich oder unsere kleine Familie. Obwohl menschliche Gräueltaten zum Dasein dazu gehören, sie uns in unserer Geschichte immer schon begleitet haben, verschlagen mir diese Taten trotzdem die Sprache, rauben mir die Fassung und lähmen mich. Doch auch wenn meine Freude wieder einmal ziemlich relativiert wurde, so wächst sie mit jedem Tag ein wenig mehr. Schuld daran trägt unser Sohnemann. Er trägt in sich noch eine bedingungslose Lebensfreude. Er strahlt mit den Kerzen auf dem Adventskranz um die Wette. Binnen Sekunden verzaubert er die Welt und lässt den Vater und mich fühlen, dass das Leben ein großes Geschenk ist. Ein Geschenk mit Ecken und Kanten. Ein Geschenk, das wir immer wieder neu anpacken und vielleicht auch definieren müssen. Und das größte Geschenk ist es, einem kleinen Menschenwesen das Leben zu schenken. Ihn auf diese Welt, auch wenn sie so oft so grausam ist, zu bringen, ihn ins Leben zu rufen. Wenn unser kleiner Sohn dann mit ausgebreiteten Armen auf mich zugelaufen kommt, wenn ich zur Türe hereinkomme, dann weiß ich: Vieles läuft nicht rund, vieles ist schrecklich, traurig und Besorgnis erregend – aber noch mehr ist einfach nur wunderschön, herzerwärmend und ergreifend. Und genau mit diesem Gefühl freue ich mich nun auf Weihnachten. 

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