Lauft Eltern, lauft!

Wir haben es getan: Wir sind endlich unseren ersten Halbmarathon gelaufen! Was wirklich mehr als überfällig war, haben wir in die Tat umgesetzt. Schon seit Jahren schwirrte der Gedanke beim Vater und mir in den Köpfen umher. Einfach weil wir mal ausprobieren wollten, wie es sich anfühlt, so einen offiziellen Lauf zu machen. Es ging uns nie darum, eine bestimmte Zeitmarke zu knacken. Wir haben einfach super großen Spaß am gemeinsamen Laufen, natürlich mit einer gewissen Portion Ehrgeiz. Unser Ehrgeiz lässt uns so schnell laufen, wie wir können, lässt uns das ein oder andere Mal an unsere Grenzen stoßen, damit wir ein paar Wochen später merken, dass wir vielleicht doch ein bisschen schneller oder ausdauernder geworden sind.

Unser erster Halbmarathon

Wegen meiner Abneigung gegen Menschenmassen haben wir uns für einen Volkslauf mit überschaubarer Starterzahl entschieden. Die Strecke kannten wir in- uns auswendig, denn der Halbmarathon führte ziemlich genau über unsere „größte“ Laufstrecke. Obwohl wir die Distanz – oder vielleicht auch zwei oder drei Kilometer weniger, denn wir tracken nicht – schon öfter gelaufen waren, waren wir ziemlich aufgeregt. Auch wenn wir wussten: Wir schaffen das mit Kinderwagen im Gepäck, also wird es ohne Kinderwagen erst recht funktionieren.

Eigentlich hatten wir den Halbmarathon verworfen. Meine Eltern, die zum Babysitten und Anfeuern gebucht waren, hatten wir abbestellt. Denn der Vater hatte mit gesteigertem Laufpensum zunehmend Knieprobleme bekommen. Und dann schleppte ich uns in der Woche vor dem Halbmarathon auch noch einen fiesen Magen-Darm-Virus nach Hause, der uns ordentlich umgenietet hat. Aber einen Tag vor dem Halbmarathon fühlten wir uns super, mindestens genauso gut sollte das Wetter am folgenden Tag sein: Ideale Voraussetzungen, um den Halbmarathon doch noch in Angriff zu nehmen. Zum Glück waren meine Eltern immer noch verfügbar und so meldeten wir uns am Sonntag in aller Frühe nach.

Beim Start reihten wir uns ziemlich weit hinten im Feld ein – wahrscheinlich nicht der schlaueste Ansatz, aber wir hatten ja keine Erfahrung. Und so liefen wir los. Die Strecke hielt einige Steigungen bereit und unzählige unebene Wege. Wir liefen über Asphalt, Wiesen, Kies, Sand und Waldboden mit rund fünfhundert anderen Laufbegeisterten. Schnell merkten wir, dass wir uns zu weit hinten eingereiht hatten und so starteten wir Überholmanöver. Ich fand es irgendwie ein bisschen nervig, doch der Vater meinte immer nur: Das ist doch eine super Motivation, stell dir mal vor, wir würden die ganze Zeit von anderen überholt werden. Wahrscheinlich hatte er recht. Und so arbeiteten wir uns langsam vor. Wie sonst auch, durfte ich das Tempo bestimmen. Ich suchte mir immer neue Personen, die ich einholen oder überholen wollte. Dabei vergaß ich vollkommen, darauf zu achten, wie viele Kilometer wir schon gelaufen waren. War aber ja auch eigentlich egal, weil wir die Strecke bestens kannten.

Der Ehrgeiz ist geweckt

Es war schon interessant, die anderen Läufer zu belauschen. „Ab Kilometer 15 knicken sie alle ein, da hole ich sie dann immer alle ein!“ „Ich laufe dieses Jahr noch drei Halbmarathons und drei Marathons.“ „Ich laufe nur ganz entspannt mit, ich bin nicht so fit!“ Wohlgemerkt, der Typ lief ziemlich schnell für mein Empfinden. „Das ist hier doch ein Crosslauf!“ Es war irgendwie mal ganz schön, aus unserem Mikrolaufkosmos herauszukommen. Doch irgendwie war es auch komisch, ohne Kind im Kinderwagen zu laufen. Denn eigentlich ist das Laufen bei uns eine Familienaktivität. Aber wir reuen uns schon darauf, wenn unser Sohn uns irgendwann mal anfeuert. So wie eine Mutter, deren Mann und drei Kinder am Wegesrand mit Bannern und Verpflegung die Mutter anfeuerten „Schneller Mama“ stand auf dem Banner.

Nach 1:53 Stunden liefen wir im Ziel ein. Meine Mutter lief uns mit unserem Sohn auf dem Arm auf den letzten Metern entgegen. Und weil der Halbmarathon für uns ein gemeinsames Erlebnis war, liefen wir derbe kitischig Hand in Hand ins Ziel. Das war uns von vorn herein klar: Wir laufen den Halbmarathon zusammen. Wenn der eine nicht mehr kann, dann läuft der andere langsam mit ihm weiter. Denn im Vordergrund stand unser gemeinsames Erlebnis. Ein schönes Erlebnis, das wir bestimmt irgendwann wiederholen werden. Aber dann wissen wir: Wir sollten uns definitiv leichter bekleiden. Denn wir waren mit Laufjacke und langen Hosen viel, wirklich viel zu warm angezogen.

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