L(i)ebe hoch³

Es ist mal wieder Zeit für den obligatorischen sentimentalen „Wie-die-Zeit-vergeht-Geburtstags“-Artikel. Denn unser Kleiner ist schon wieder größer geworden. Nun ist er drei. Damit ist er ein offizielles Kindergartenkind. Auf der Zielgeraden zur „Drei“ zog auch sein Körper mit. Auf einmal schmerzten die Knochen, allen voran die Füße, Schienbeine und Knie. Sein Körper wuchs und wächst. Vor allem nachts. Die Schmerzen rauben ihm den Schlaf und trotzdem verfolgen wir sein Wachstum mit Faszination. Immer wieder stellt sich unser Sohnemann vor seine Messlatte und bestaunt, wie groß er geworden ist.

Wenn er dann wieder gewachsen ist, ist er ganz aus dem Häuschen. Jetzt ist er aber nicht nur gewachsen, sondern auch noch älter. Also richtig groß. Und wer groß ist, der braucht ein großes, nein am besten ein riesiges Bett. Ein vom Opa selbst gebautes, mit dem man quasi im Himmel schläft. Mit drei Jahren braucht man nur noch eine Hand, um sein Trinkglas festzuhalten. Kinderbesteck und Kindergeschirr sind überflüssig. Eigentlich ist man mit drei erwachsen. Meint unser Sohn. Zumindest zeitweise. Bis er müde wird, er Geborgenheit, Nähe und Schutz sucht. Er doch wieder klein sein möchte, nur für einen kurzen Moment. Manchmal auch ein bisschen länger. 

Drei Jahre zu dritt

Drei Jahre sind wir nun zu dritt. In diesen drei Jahren ist so viel passiert. Auch wenn es viele Momente gab, in denen wir das Gefühl hatten, wir stehen vor einem riesigen Berg von Herausforderungen, die kaum zu bewältigen sind, haben wir es geschafft. Und dabei sind wir glücklicher als jemals zuvor. Wir konnten uns nicht vorstellen, wie sehr sich unser Leben durch unseren gemeinsamen Sohn verändern wird. Seit seiner Geburt ist einfach alles anders. Wir sind anders als Paar, anders als Individuen, anders als Berufstätige. Wir sind eine Familie und wir sind Eltern. 

Große Geburtstagspläne klein gemacht

Auch wenn wir nun schon gewissermaßen „alte Hasen“ im Elternbusiness sind, werden wir immer wieder aufs Neue überrascht. So auch an seinem Geburtstag. Wir hatten uns vorgenommen, mit ihm etwas richtig Schönes zu unternehmen. Wir haben Urlaub eingereicht, um mit ihm einen Tagesauflug mit Zugfahrt zu machen. Kurz vor dem großen Tag wagten wir eine Testfahrt mit der Kölner U-Bahn und mussten feststellen: Zug- oder Bahnfahren ist ziemlich unangesagt. Die Bahn bestiegen wir unter großem Protest. Unser Sohn klammerte sich die gesamte Fahrt an mich und beschwerte sich, die Fahrt sei ihm zu wild und zu schnell. Tja, damit waren unsere Ausflugspläne im Keim erstickt. Aber das hat man nun einmal davon, wenn man sich größtenteils mit dem Rad oder zu Fuß fortbewegt. 

Ein alternativer Plan musste her. Bevor wir Eltern uns den Kopf darüber zerbrechen konnten, was wir alternativ unternehmen wollten, sagte unser Sohn: „Du Mama, ich möchte in den Kölner Dom.“ Keine Ahnung, wie er darauf gekommen ist, aber er war total angetan von der Idee. Also lautete der ultimative Geburtstagsplan: Wir machen einen Ausflug in die Stadt, bestaunen den Kölner Dom, winken Schiffen auf dem Rhein zu, picknicken Geburtstagskuchen auf einer Spielplatz-Bank und teilen uns zum Abschluss des Tages eine riesige Pizza. Auf Wunsch des Geburtstagskindes mit Zucchini, Tomaten und Oliven. Den Plan setzten wir in die Tat um und auf den Wegstrecken sammelten wir unzählige Kastanien, Bucheckern und Haselnüsse. 

Im Hier und Jetzt

Es war ein wunderschöner Tag, für uns alle drei. Aber ganz besonders für unseren Sohn. Der sich weniger über seine Geschenke als über die Tatsache freute, dass er nun drei ist. Dieser Tag hat uns Eltern mal wieder gezeigt, dass das Glück und die Freude ganz oft in den kleinen, ganz normalen Dingen liegen. Warum haben wir immer den Drang, in die Ferne zu schweifen? Lange Fahrten in Kauf zu nehmen, in fremden Städten nach Spielplätzen und Cafés zu suchen? Ans Meer zu fahren, wenn unserem Sohn der benachbarte Badesee doch viel mehr zusagt? Wir wissen es nicht. Klar, solche Tapetenwechsel immer mal wieder sind toll und wichtig. Aber viel zu selten machen wir uns bewusst, wie schön das Leben vor unserer Nase ist. Das hat uns unser Sohn an seinem dritten Geburtstag ganz klar gezeigt. Man muss nur einmal genau hinsehen, um es zu erkennen.

 

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