Mutterschutz im Lockdown

Im Mutterschutz, da beginnt der Nestbau. In dieser Zeit sammle ich Energie, gehe endlos spazieren, radele durch die Gegend, treffe Freunde, lese viel und verbringe Zeit im Café. Ich durchstreife völlig überteuerte Kinderläden, lasse mich inspirieren und bastele die Dinge dann zu Hause nach. So habe ich mir die sechs Wochen vor der Geburt vorgestellt, so habe ich sie verbracht als wir die Geburt unseres Sohnes kaum erwarten konnten. Cafébesuche sind raus, Inspirationen in kleinen Kinderläden sammeln auch. Spazieren, radeln und lesen kann ich theoretisch. Wenn unser Großer und der im Homeoffice arbeitende Vater es zulassen. Wie soll ich unter diesen Bedingungen Kraft tanken? Wie soll ich mich auf die Geburt vorbereiten? Wie funktioniert Mutterschutz im Lockdown? Ich habe für mich keine Antwort gefunden. Vielmehr hat mich diese Frage in den Wahnsinn getrieben. Immer öfter habe ich mich gefragt, ob es wirklich richtig war, es darauf anzulegen, in Zeiten der Pandemie schwanger zu werden.

Mutterschutz und Lockdown: Wie passt das zusammen?

Stressresistent, das bin ich schon lange nicht mehr. Geduldig und verständnisvoll? Ganz im Gegenteil, gereizt, ungeduldig, unzufrieden und dünnhäutig bin ich. Meine Stimmung nervt mich selbst, ich will so gar nicht sein. Aber ich kann einfach nicht anders. Mir fehlt so viel: Kontakte, Freunde, soziales Miteinander und die Perspektive. Die Schwangerschaft hat meine Kraftreserven aufgebraucht, ich brauche den Mutterschutz für mich. Zum Ankommen, zum Durchatmen, zum Innehalten. Danke Lockdown, du machst es unmöglich. Denn ein dauernd hüpfendes Kind, für dessen unerschöpfliche Energie es einfach nicht genug Ventile gibt, erschwert das Vorhaben, zur Ruhe zu kommen. Lange Wanderungen und Radtouren, stundenlanges Bogenschießen und Schneeballwerfen, das alles reicht nicht, um die Energie des Fünfjährigen aufzubrauchen. Da müssen abends dann noch ein paar Sprints her. Zwischen den körperlichen Einheiten wird gebastelt, gemalt, gespielt, aber vor allem diskutiert und vermeintliches Wissen kundgetan und das alles laut und hibbelig. Zeitgleich arbeitet der Vater Vollzeit, während ich zwischen Kinderbetreuung, Arztterminen und Haushalt hin- und hertingele.

Rechtfertigt der Mutterschutz die Notbetreuung?

Ende letzter Woche war bei mir das Maß voll: So konnte es nicht weiter gehen. Wir haben uns dazu entschieden, unseren Sohn in die Notbetreuung zu geben. Sich häufende Streitigkeiten, Gereiztheit bis zum Umfallen gepaart mit nicht enden wollender Langeweile und Perspektivelosigkeit und zunehmende Schwangerschaftsquerelen haben uns die Entscheidung treffen lassen. Bedingungslos wohl fühlen wir uns damit nicht, schließlich sehen wir die Notwendigkeit der Einschränkungen ein. Aber nach langem Abwägen haben wir so entschieden und müssen sagen: Es war die richtige Entscheidung, für uns alle, in jeder Hinsicht. Denn unter den vorherigen Bedingungen war alles möglich, aber ganz ehrlich, kein Mutterschutz.