Endlich Ruhe?

Einfach nur mal meine Ruhe haben. Wie oft habe ich mir das gewünscht? Ganz stark und laut wird dieses Verlangen nach Ruhe, wenn unser Sohn eine besonders laute, wütende, anhängliche, nölige, wie auch immer jedenfalls anstrengende Phase hat. Wenn er nicht einschlafen will. Wenn er mault und schreit, ohne erkennbaren Grund. Wenn er an mir rumnestelt und mich damit in den Wahnsinn treibt. Wenn er einfach mal wieder keine Ruhe geben will und mich nicht zur Ruhe kommen lässt.

Lass mich…

Dieser Wunsch nach Ruhe wurde letztens erhört. Mit großen Augen und sehr bestimmt sah unser Sohn mich an und sagte klar und deutlich: „Lass mich in Ruhe Mama!“ Das saß. Das tat weh. Das war der erste ablehnende Satz. Die erste Absage an mich. Klar, „nein“ höre ich tagtäglich. Aber das zählt irgendwie schon nicht mehr. „Lass mich in Ruhe“ hingegen hat mich und den Vater, der diesen Satz als erster um die Ohren geschmettert bekam, ziemlich aus der Bahn geworfen. 

Unser Sohn fordert seine Ruhe dabei überwiegend nicht in Situationen, in denen wir etwas verbieten, ihn in seine Schranken weisen oder ihn bitten, etwas zu tun. Nein, er möchte seine Ruhe, wenn er in sein Spiel vertieft ist, er einen Turm baut und unser Mitspiel nicht mehr erwünscht ist. Wenn er die Pizza belegt und wir ihm zeigen wollen, wie er es am effektivsten macht. Wenn wir ihn – wie bis zu diesem Zeitpunkt immer – die Wohnungstreppe hinuntertragen. 

Ich kann das schon alleine…

Während wir Eltern uns Ruhe wünschen, wenn es uns zu laut, zu anstrengend, zu viel wird, wünscht sich unser Sohn seine Ruhe, wenn er der Meinung ist, dass er uns nicht mehr braucht. Wenn er glaubt, dass sein Turm ohne unser Zutun schöner wird und mehr seinen Vorstellungen entspricht. Wenn er weiß, dass er die Treppe alleine herunter gehen kann. Wenn es ihm egal ist, ob die Pizza gleichmäßig und schnell belegt wird – Hauptsache, der Belag landet auf der Pizza. Er verlangt nach Ruhe, wenn er meint, uns nicht zu brauchen. Wenn wir ihn stören, wenn er Dinge alleine kann oder alleine bewältigen möchte. 

Es ist der pure Wahnsinn, wie schnell sich unser Kleiner entwickelt. Immer wieder staunen wir über die Fortschritte, die er in kurzer Zeit macht. Meistens ist es ein sehr stolzes Staunen. Aber manche Entwicklungen sorgen für Sprachlosigkeit unter die sich ein bisschen Wehmut und Trauer mischt. Klar wollen wir, dass unser Sohn zu einem selbstbewussten und selbstständigen Menschen heranwächst. Aber mit zwei Jahren schon seine Ruhe zu verlangen, das geht für uns etwas zu schnell. Es fühlt sich an wie ein gewaltiger Schritt im Abnabelungsprozess. Der wahrscheinlich sehr gut, richtig und wichtig ist. Aber trotzdem, im ersten Moment nur so semi erfreulich. 

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