Verrückte Welt

Letzten Freitag möchte ich am liebsten aus dem Kalender streichen, für ewig aus meinem Kopf entfernen, endgültig löschen. Aber danach fragt mich keiner, die Welt dreht sich weiter und ich mich mit ihr. Voller Vorfreude auf ein wunderbares Wochenende bin ich Freitag in den Tag gestartet. Doch diese Freude war nicht von langer Dauer. Ein Streit mit dem Mann, der mich eigentlich rundum glücklich macht, hat mich an diesem Tag ziemlich aus der Bahn geworfen. Und das schon am frühen Morgen, kurz bevor ich mich auf den Weg zu meinem noch so frischen Job begeben musste. Völlig aufgelöst saß ich da an meinem Schreibtisch und konnte keinen klaren Gedanken fassen.

Zweifel, Wut und Trauer

Irgendwie habe ich die sechs Stunden im Büro überstanden und freute mich wirklich sehr, unseren kleinen Sohnemann aus der Kita abzuholen und mit ihm einen langen Spaziergang zu machen. Um einen klaren Kopf zu bekommen. Um in Ruhe nachdenken zu können. Schön für mich, dass ich mich darauf freute, denn unser Sohn sah das anders. Er hatte überhaupt keine Lust, die Kita zu verlassen. Er wollte weiter mit seinem Freund spielen. Er wollte weiter mit ihm Duplotürme bauen. Er wollte vieles, aber nicht mit seiner Mutter die Kita verlassen. Lauthals wehrte er sich als ich ihn in die Bondolino setzen wollte. Das gab mir den Rest. Ein schreiendes, sich windendes Kind war einfach zu viel. Das Fass war über gelaufen. Und dann stand ich da mitten in der Kita und heulte einfach so drauf los. 

Seit langem war dieser Freitag ein Tag, an dem ich das Gefühl hatte, keine Kraft mehr zu haben. Nicht mehr weiter zu wissen. Ich stellte alles in Frage. Doch für meine Zweifel blieb nur wenig Raum, denn unser Sohn brauchte mich. Er verlangte, dass ich so für ihn da bin, wie er es braucht. Obwohl ich mir die größte Mühe gab, schrie mein Gewissen. Denn ich konnte einfach nicht bedingungslos für ihn da sein. 

Rücksicht nehmen und Verantwortung übernehmen

Ich konnte aber nicht nur nicht so für ihn da sein, wie ich es wollte. Der Vater und ich konnten uns auch nicht streiten wie wir es wollten. Wir mussten uns zusammen reißen, uns zurück nehmen – unserem Sohn zu Liebe. Mit Kind wird eben alles anders. Wir haben als Eltern eine Verantwortung und unser Sohn fragt uns eben nicht, ob wir gerade Stress haben, Zeit für uns, zum Nachdenken, zum Streiten brauchen. Er versteht nicht, was los ist. Er merkt nur, dass seine Eltern traurig, wütend und schlecht gelaunt sind.

Und das soll er nicht. Das habe ich mir geschworen als ich Mutter geworden bin. Unser Sohn soll in einer glücklichen Umgebung aufwachsen. Die konnte ich ihm am Freitag und auch an Teilen des Wochenendes nicht geben. Es fühlt sich nicht gut an, aber ich bin eben auch nur ein Mensch. Und auch wenn ich hoffe, dass dieser Freitag sich so schnell nicht wiederholen wird, so weiß ich, dass es immer wieder diese schwarzen Tage geben wird. Die gehören zum Leben dazu. Und hoffentlich werden wir diese Tage als Familie überstehen – und das nicht nur unserem Sohn zu Liebe. 

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