Wir versuchen, als Familie das Beste draus zu machen

Die Corona-Krise ist in aller Munde. Uns interessiert, wie die Leute mit der momentanen Lage umgehen, was sie bewegt und wie sie sich fühlen. Aus diesem Grund haben wir Personen unterschiedlichen Alters und aus verschiedenen Berufsgruppen gefragt, wie sie die derzeitige Situation wahrnehmen und meistern. Allen haben wir dieselben Fragen gestellt. Die Fragen beantwortet hier eine 37-jährige Sozialpädagogin. Sie ist verheiratet und Mutter von zwei Kindern.

? Mit welchem Gefühl wachst du momentan auf?

! Ich wache erst mit einem ganz guten Gefühl auf und dann muss ich oft an die Menschen denken, die es nicht so leicht haben wie wir. Es sind sehr gute Freunde, die durch gesundheitlich schwere Zeiten gehen und dies nun ziemlich isoliert und oft allein tun müssen. Familienmitglieder, die sich über Jahre etwas aufgebaut haben und nun nicht wissen, wie es weiter geht. Aber wir versuchen, als Familie jeden Tag das Beste draus zu machen.

? Mit welchem Gedanken gehst du abends ins Bett?

! Wenn es ein guter Tag war und die Kinder fröhlich waren, freue ich mich und denke an die lustigen, schönen und vielleicht auch kleinen Abenteuer, die wir oder auch jeder für sich erlebt haben. Manchmal kann ich aber auch nicht einschlafen und muss noch schnell bei dem ein oder anderen hören, ob alles gut ist, ob am nächsten Tag etwas gebraucht wird und ich wenigstens ein wenig helfen kann. Dann plane ich ein paar Dinge und gehe mit dem Gefühl und den Gedanken ins Bett, doch etwas in der Hand zu haben und das Ganze mitgestalten zu können.

? Wie wirkt sich die mediale Berichterstattung auf deine Stimmung aus?

! Ich versuche, nicht zu viele Nachrichten zu konsumieren. Ich weiß, wie ich mich verhalten soll und halte mich an die Regeln. Daher kann ich das ganz gut für mich regulieren. Dennoch bin ich immer wieder schockiert über die Todeszahlen.

? Inwiefern beeinflusst die derzeitige Situation deine berufliche Zukunft?

! Ich habe Glück, da unserer Schule noch unsere Gehälter zahlt und wir nach wie vor arbeiten – anders als vorher, aber es gibt genug zu tun. Das hilft mir im Alltag auch sehr.

? Was geht in dir vor, wenn du Corona hörst?

! Ich versuche, wie oben geschrieben, die Nachrichten zu reduzieren und mich und meine Familie mit schönen Dingen und etwas Alltag, sofern möglich, zu beschäftigen. Es würde mich sonst zu sehr bedrücken und das hilft dann keinem weiter. Zumindest nicht meiner Familie und meinen Freunden.

Interviews dieser Fragezeit

Die Zeit vor und nach Corona

Das Gefühl morgens beim Aufwachen gleicht ein wenig dem Gefühl, das ich während meiner Zeit in Köln im Krankenhaus hatte. Ich lag dort, unterbrochen mit kurzen Pausen, von März bis Oktober 2012 zur Chemotherapie und autologen Stammzelltransplantation.

Die heutige Medizin ist in vielen Fällen machtlos

Corona-Viren sind mir zuerst während meines Studiums begegnet. Damals war es nur eine Beschreibung auf einer Karteikarte, zu der ich kaum einen Bezug hatte, geschweige denn ein Gefühl. Heute verbinde ich mit dem Begriff Corona eine unterschwellige Befürchtung.

Ich fühle mich von den Medien betrogen

Ich kann Corona nicht mehr hören. Deswegen schaue ich sehr wenig Fernsehen oder lese kaum Zeitung. Mein Mann wird gut informiert und leitet mir das weiter. Und vor allem, muss man wirklich keine Maske tragen, wenn man in der Natur alleine spazieren geht.

Wann kann ich unsere Kinder wiedersehen?

Wann ist die Corona-Krise vorbei und wann kehrt wieder ein normales Leben mit sozialen Kontakten und geliebten Routinen ein. Und insbesondere frage ich mich natürlich: Wann kann ich unsere Kinder und unser Enkelkind wiedersehen?

Das ist jetzt unsere Gegenwart

Corona ist jetzt unsere Gegenwart. Und bleibt wohl auch noch eine Weile gegenwärtig. Emotionales Neuland. Irgendwann wird es vertraut und irgendwann Vergangenheit sein. Ich möchte die Chancen, die diese Krise gesellschaftlich auch bedeuten, positiv mitgestalten.

Leute nehmen das immer noch nicht ernst

Es ist eine ernste Situation – sowohl aus gesundheitlicher als auch aus wirtschaftlicher Sicht. Ich mache mir Sorgen um mir nahe stehende Personen wie meine Eltern, die zur Risikogruppe gehören. Ich ärgere mich auch, dass Leute weiter rumwandern als sei nichts.

Zu Hause tanzen ist halt nicht dasselbe

Es weiß momentan einfach niemand, wohin es gehen wird. Wir schwimmen alle irgendwie gemeinsam und hoffen, in die richtige Richtung zu treiben. Wie soll man bei so viel Unsicherheit denn nicht ein bisschen genervt sein und Langeweile und Brechreiz verspüren.

Ich habe gelernt, mich zu schützen

Ich denke, Corona hat gute Chancen, seit Menschengedenken das meistgebrauchte Wort zu werden. Die Welt verändert sich, noch nie war das Leben so heruntergefahren. Mögen wir Menschen endlich verstehen, welche riesengroße Chance zum Umdenken und zur Umkehr darin liegt!