Pränatal-Diagnostik

So schön es auch ist, eine Familie zu werden, so schwer sind auch zahlreiche Entscheidungen, die man als Paar treffen muss. Gemeint sind hier nicht die Namensfindung oder die Anzahl der anzuschaffenden Mobilés, sondern Fragen wie man mit einer Behinderung des Ungeborenen umgehen kann oder will, ob und wenn ja, in welchem Falle ein Schwangerschaftsabbruch in Frage käme… Diese unangenehmen Fragen stehen schnell an der Tagesordnung, denn schon kurz nach der frohen Botschaft, schwanger zu sein, stellt der Gynäkologe die entscheidende Frage: „Wie sieht es mit Pränatal-Diagnostik aus? Wollen Sie die Nackenfaltenmessung vornehmen?“

Kommt ein Schwangerschaftsabbruch in Frage?

Puh, das sind Fragen. Wir wollen alles richtig machen, unserem Ungeborenen den bestmöglichen Weg ebnen, die Schwangerschaft genießen und kein Risiko eingehen. Brauchen wir diese Untersuchung also? Mittels der Nackenfaltenmessung kann der Gynäkologe eine Einschätzung geben, wie wahrscheinlich es ist, dass das Ungeborene eine Trisomie hat. Wollen wir das wissen? Was würden wir machen, wenn wir erfahren würden, dass die Wahrscheinlichkeit für eine Trisomie groß ist? Würden wir eine Fruchtwasserpunktion vornehmen,die anders als die Nackenfaltenmessung den Embryo gefährden könnte? Würden wir die Schwangerschaft abbrechen, wenn sich der Verdacht auf eine Behinderung erhärten würde? Diese letzte Frage war für uns die entscheidende, denn wir beide mussten sie ohne lange zu überlegen und ganz klar mit „Nein“ beantworten.

Mit Zuversicht und ohne Nackenfaltenmessung

Wir sind ganz bewusst und beabsichtigt Eltern geworden. Elternsein bedingt immer ein gewisses Risiko. Viele Fehlbildungen können während der Schwangerschaft entstehen, einige früher, andere später, manche auch erst bei der Geburt. Aber auch, wenn das Kind dann das Licht der Welt erblickt hat, lauern überall Gefahren. Fällt das Kind in einem unbeobachteten Moment vom Klettergerüst und ist fortan querschnittsgelähmt, dann wäre es immer noch genauso unser Kind wie vor dem Unfall. Wir waren uns einig: Wir wollen keine Pränatal-Diagnostik! Wir wollen an das Gute glauben! Wir wollen unser Kind so nehmen, wie es auf die Welt kommt! Wir wollen nicht entscheiden, ob ein Kind mit Behinderung ein Recht auf Leben hat oder eben nicht! Die Entscheidung gegen diese Untersuchung war sicherlich nicht leicht, einige schlaflose Nächte mussten herhalten, aber wir waren uns einig und bestärkt darin, dass wir als Paar funktionieren und an einem Strang ziehen. Ganz zuversichtlich sind wir also in die Schwangerschaft ohne Pränatal-Diagnostik gestartet.

Wir möchten niemanden verurteilen, der diese Untersuchungen vornimmt, es gibt sicherlich Gründe, die dafür sprechen. Nur für uns gab es eben keine und das war auch gut so, zumindest für uns. Eins ist uns bei dieser Entscheidungsfindung klar geworden: Schwanger zu werden, um eine kaputte Beziehung zu retten, ist die größte Milchmädchenrechnung des Universums.

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