Zwischen den Stühlen

Mutter, Ehefrau, Redakteurin, Hausfrau – das bin ich, tagtäglich. Mutter und Ehefrau stehen an einsamer Spitze, sie sind mein unersetzbarer Lebensinhalt und machen mich glücklich. Redakteurin bin ich gerne, ich mag meinen Job. Aber ich würde auch sicherlich viele andere Jobs mögen, da bin ich mir sicher. Hausfrau hingegen mag ich nicht so sonderlich. Aber ich mag eben nun einmal eine saubere und aufgeräumte Wohnung – ich habe leider die schlechte Angewohnheit, dass ich im Chaos nicht schlafen kann – also versuche ich auch dieser Aufgabe, mal besser und mal schlechter, gerecht zu werden.

Wenn alles in seinen geregelten Bahnen verläuft, dann habe ich meinen Rhythmus gefunden und bewältige meinen Alltag nicht mit links, aber doch ziemlich souverän – das ist zumindest mein Eindruck. Aber in den vergangenen zwei Wochen lief absolut nichts in geregelten Bahnen. Krankheitsbedingt saß ich alleine im Büro mit einem Berg von Arbeit. Früher wäre das ein klassischer Fall von Überstunden gewesen, ist ja schließlich eine Ausnahmesituation, die absehbar ist. Aber das geht nicht. Egal, wie viele Mails ungelesen in meinem Postfach schlummern. Egal, wie viele Kollegen in der Türe stehen und nur noch die eine Sache wissen wollen. Egal, wie laut das Telefon klingelt. Ich muss pünktlich in der Kita sein. Vielmehr noch: Ich möchte pünktlich in der Kita sein. Mein Sohn wartet auf mich und ich freue mich auf ihn. Da kann das Telefon noch so laut klingeln, noch so viele ungeklärte Fragen im Raum stehen, noch so viel ungetane Arbeit liegen bleiben.

Ich mach dann mal Feierabend

Es fällt mir sehr schwer, meinen Arbeitsplatz so unaufgeräumt, so unerledigt zu verlassen. So sehr ich mich auch bemühte, die Arbeit nach Feierabend aus meinem Kopf zu verdrängen, es gelang mir in den vergangenen beiden Wochen nicht so recht. Immer schwirrten die Gedanken an die Arbeit in meinem Hinterkopf herum während ich mit unserem Sohn spielte, während ich mit anderen Müttern am Sandkastenrand saß, während ich den Haushalt erledigte. Aber am schlimmsten waren die Nächte. Immer wieder wachte ich auf und dachte: „Mist, das muss ich morgen früh mit Priorität erledigen.“ „Habe ich die Mail schon rausgeschickt?“ „Der Text muss dringend redigiert und gelayoutet werden.“

Ich kam überhaupt nicht zur Ruhe. Auch am Wochenende nicht. Es war wie verhext. Warum gelingt es mir nicht, abzuschalten, die Arbeit nach Feierabend Arbeit sein zu lassen? Mein Arbeitgeber macht mir keinen Druck. Ich bin als Mutter eingestellt worden. Es war allseits bekannt und klar, dass Überstunden nicht drin sind. Keiner hat in den letzten zwei Wochen von mir verlangt, dass ich mehr, schneller oder länger arbeite – nur ich selber, ich habe diesen Anspruch an mich gestellt. Ich wollte, dass Zeitpläne eingehalten werden, dass die Arbeit am Ende des Tages erledigt ist. 

Die vergangenen zwei Wochen haben viel in mir bewegt. Sie haben mir mal wieder gezeigt, dass ich lernen muss, los zu lassen. Dass Arbeit wirklich nur Arbeit ist. Es hilft niemandem, wenn ich mich nach Feierabend mit Arbeitsgedanken rumärgere. Dadurch erledigt sich die Arbeit nicht, ich bin gestresst und gereizt und meine Laune sinkt zunehmend. Ich habe mich oft gefragt, ob mein Arbeitspensum vielleicht zu hoch ist, ich vielleicht in meinen Alltag Pausen für mich einplanen muss, denn die gibt es nicht wirklich. Ich möchte in erster Linie Mutter sein, eine gute Mutter für unseren Sohn. Eine belastbare Mutter, die nicht gebeutelt von der Arbeit zur Kita hetzt.

Kopf aus, Entspannung an

Das alles bedeutet, dass ich an mir selbst arbeiten muss, an meiner Einstellung. Aber vor allem, an dem Anspruch, den ich an mich selbst stelle. Den Anspruch, eine gute Mutter und Ehefrau zu sein, den will und werde ich nicht runterschrauben. Ganz im Gegenteil: Meine Familie ist mein Lebensmittelpunkt und soll es auch bleiben. Ich möchte auch meinem Job gewissenhaft nachgehen, möchte meine Arbeit gut erledigen, aber eben nur mit untergeordneter Priorität und im Rahmen des Möglichen. Und deswegen ist es nun an mir, mich in Gelassenheit zu üben. Einen Weg zu finden, wie ich mich selbst runterbringen kann, meine Gedanken ordnen und auch in stressigen Situationen abschalten und sie als gegeben hinnehmen kann.

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